1

Neue Grammatik der Macht

MADRID – Zu den größten Sorgen der Menschheit gehören heute nicht so sehr konkrete Gefahren, als vielmehr diffuse Gefährdungen, die akut werden können, wenn wir es am wenigsten erwarten – und gegen die wir nur unzureichend geschützt sind.

Natürlich gibt es spezifische Gefahren, aber was uns am Terrorismus zum Beispiel am meisten besorgt, ist seine Unvorhersehbarkeit. Das Erschreckendste an der Wirtschaft ist dieser Tage ihre Volatilität – in anderen Worten, die Unfähigkeit unserer Institutionen, uns vor extremer finanzieller Unsicherheit zu schützen.

Im Allgemeinen reflektiert unser Unbehagen zum großen Teil unsere Hilflosigkeit angesichts von Bedrohungen, die wir nur teilweise kontrollieren können. Unsere Vorfahren lebten in einer gefährlicheren Welt, waren aber nicht dem gleichen Risiko ausgesetzt. Sie ertrugen Armut in einem Maße, wie es heute für uns in den Industriestaaten gänzlich inakzeptabel wäre, während wir Risiken ausgesetzt sind, deren Natur zwar auch für uns schwer verständlich ist, für sie aber buchstäblich unbegreiflich wären.

Weil die globale Vernetzung jeden in der Welt auf beispiellose Art und Weise exponiert, ist die Beherrschung der globalen Risiken zur großen Herausforderung der Menschheit geworden. Nehmen wir den Klimawandel, die Risiken der Atomkraft und der Verbreitung von Atomwaffen, die Terrorgefahr (qualitativ anders als konventionelle Kriege), die Kollateralschäden politischer Instabilität, die wirtschaftlichen Folgen von Finanzkrisen, Epidemien (deren Risiken mit größerer Mobilität und Freihandel steigen) oder plötzliche, durch die Medien geschürte Paniken, wie jüngst die EHEC-Krise.