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Was wir uns über die weltweite Konjunkturabschwächung erzählen

NEW HAVEN – Erneut deuten Anzeichen auf eine Abschwächung der Weltkonjunktur hin und viele beginnen sich zu fragen, wie sehr die schwache Wirtschaftsleistung die kommenden Jahre beherrschen wird. Steht uns eine lange globale Konjunkturflaute bevor oder gar eine Depression?

Ein grundlegendes Problem der derzeitigen Konjunkturprognosen besteht darin, dass die eigentlichen Ursachen der Wirtschaftsabkühlung psychologischer und soziologischer Natur sind und mit den veränderlichen Faktoren „Vertrauen“ und „Animal Spirits“ zusammenhängen. Gemeinsam mit George Akerlof habe ich „Animal Spirits“, die nichtökonomischen Motive und die irrationalen Verhaltensmuster von Menschen, zum Gegenstand unseres Buches gemacht. Wir behaupten, dass sich in derartigen Verschiebungen Geschichten widerspiegeln, die sich ändern; neue Geschichten, die sich wie Lauffeuer verbreiten und die damit verbundenen Auffassungen von der Welt, die sich schwer in Zahlen ausdrücken lassen.

Tatsächlich scheinen die meisten Berufsökonomen nicht sonderlich betrübt angesichts der Aussichten für die Weltwirtschaft. So hat etwa die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am 6. September einen von ihrem Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan verfassten Zwischenberichtüber den kurzfristigen globalen Wirtschaftsausblick veröffentlicht, in dem vage von „signifikanten Risiken“ gesprochen wird, die sich abzeichnen – die Sprache der Unsicherheit schlechthin.

Das Problem ist, dass sich die statistischen Modelle, die das Handwerkszeug der Wirtschaftswissenschaftler sind, am besten auf normale Zeiten anwenden lassen, also beschreiben Ökonomen die Situation naturgemäß gern als normal. Wenn die gegenwärtige Abkühlung typisch für andere Abkühlungen der letzten Jahrzehnte ist, dann lässt sich die gleiche Art von Erholung prognostizieren.