Militärische Illusionen im Nahen Osten

Das Paradoxe an der gegenwärtigen Gewalt in Israel, Gaza und dem Libanon ist, dass die Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts eigentlich gar nicht so schwer auszumachen ist. Eine große Mehrheit der Israelis und Palästinenser favorisiert eine Zwei-Staaten-Lösung entsprechend dem Grenzverlauf in der Zeit vor 1967. Die wichtigsten arabischen Staaten, darunter Ägypten, Saudi Arabien und andere, teilen diese Sichtweise. Das Problem besteht also nicht darin, dass keine Lösung in Sicht wäre, sondern vielmehr darin, einen Weg zu dieser Lösung zu finden, denn mächtige und oftmals gewaltbereite Minderheiten auf beiden Seiten lehnen diese von der Mehrheit getragene Lösung ab.

Ungefähr drei Viertel aller Israelis und Palästinenser sehnen sich nach Frieden und Kompromiss, während ein Viertel auf jeder Seite – oftmals aufgestachelt von religiösen Extremisten – einen vollständigen Sieg über die andere Seite anstrebt. Radikale Palästinenser wollen Israel zerstören, während radikale Israelis die Kontrolle über das gesamte Westjordanland fordern. Dies entweder durch fortgesetzte Okkupation oder (ginge es nach den Wünschen einer verschwindenden Minderheit) durch die zwangsweise Aussiedelung der palästinensischen Bevölkerung.

Sobald der Friede in Reichweite scheint, provozieren Radikale auf der einen oder anderen Seite eine Explosion, um ihn damit wieder in weite Ferne rücken zu lassen. In manchen Fällen kommt es dabei zu offenen Konflikten zwischen Moderaten und Radikalen der gleichen Seite. So geschehen, als ein israelischer religiöser Extremist den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin ermordete, als man bei den Friedensverhandlungen Fortschritte erzielte. In anderen Fällen kommt es zu Terroranschlägen radikaler Palästinenser gegen israelische Zivilisten, in der Hoffnung, damit eine übermäßig gewalttätige Reaktion Israels zu provozieren, die den Vertrauensbildungsprozess zwischen den Moderaten auf beiden Seiten untergräbt.

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