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Die fünf Krisen im Nahen und Mittleren Osten

Die Region zwischen Ägypten und Pakistan gleicht einem Hexenkessel, in dem ein Gemisch aus fünf explosiven Bestandteilen brodelt: bürgerkriegsähnliche Zustände im Irak, Unruhen in Afghanistan, die atomaren Ambitionen des Iran, der langwährende israelisch-arabische Konflikt und die Gefahr von Zusammenstößen zwischen extremistischen Gruppen und korrupten, repressiven Regimen. Eine umfassende politische Strategie ist daher nötig. Allerdings sind die Bedrohungen so vielfältig und komplex, dass verschiedene Ansätze gleichzeitig zur Anwendung kommen müssen.

Im Irak ist die Politik Amerikas, einen semi-föderalen Staat der Schiiten, Sunniten und Kurden zu schaffen, aufgrund der Vorherrschaft der Schiiten, des sunnitischen und schiitischen Terrors, des kurdischen Separatismus und der Einmischung des Iran vom Scheitern bedroht. Der Blutzoll ist bereits jetzt unerträglich hoch. Die Vereinigten Staaten können weder die gegenwärtigen Opferzahlen (auf amerikanischer und irakischer Seite) noch die Kosten weiterhin verkraften. Um die Bedingungen für langfristige Stabilität zu schaffen, müsste man über eine Teilung verhandeln, um dann zu einem Ergebnis zu gelangen, das mit dem Friedensabkommen von Dayton vergleichbar wäre, das den Krieg im ehemaligen Jugoslawien beendete.

Die Trennung der verschiedenen Bevölkerungsteile des Irak wäre schmerzhaft. Der UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) und die von den USA geführten Koalitionsstreitkräfte sollten jenen Menschen helfen, die in andere Landesteile ziehen möchten. Nun mag man einwenden, dass eine derartige Umsiedlung innerhalb eines Landes einer Kollaboration mit „ethnischer oder religiöser Säuberung“ gleichkommen würde, aber der Blutzoll eines noch länger dauernden Krieges im Irak, der auch zur Zerstückelung des Landes führen könnte, ist noch viel schlimmer. Das Prinzip des Pluralismus ist wertvoll, aber die Eindämmung des Blutvergießens verdient höchste Priorität.

Ein Abkommen nach dem Vorbild von Dayton kann allerdings nur erreicht werden, wenn es vom UNO-Sicherheitsrat unterstützt wird. Es wäre im langfristigen Interesse der ständigen Mitglieder des Sicherheitrates das auch zu tun. Russland und China wären allerdings nur kooperativ, wenn Amerika den gegenwärtigen Ansatz der Bush-Administration ändern würde.