Die feministische Revolution im Nahen Osten

OXFORD – Zu den gängigsten westlichen Stereotypen über muslimische Länder zählen jene über muslimische Frauen: rehäugig, verschleiert und unterwürfig seien sie, in fremdartiger Weise verschwiegen, geheimnisvolle Bewohnerinnen von Fantasie-Harems und in starren Geschlechterrollen gefangen. Wo waren denn nun diese Frauen in Tunesien und Ägypten?

In beiden Ländern entsprachen die weiblichen Demonstranten so ganz und gar nicht den westlichen Stereotypen: Wie in den neuen Videoclips und in Facebook-Foren zu sehen, standen Frauen im Mittelpunkt und gehörten sogar zu den Anführern. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo arbeiteten weibliche Freiwillige, manchmal in Begleitung ihrer Kinder, unentwegt an der Aufrechterhaltung der Proteste – und übernahmen Aufgaben in den Bereichen Sicherheit, Kommunikation und Errichtung von Unterständen. Zahlreiche Kommentatoren schreiben die Friedlichkeit der Proteste angesichts gravierender Provokationen der großen Zahl von Frauen und Kindern zu.

Andere Bürgerjournalisten am Tahrir-Platz – praktisch jede mit einem Mobiltelefon ausgestattete Person konnte das werden – diese Bürgerjournalisten also merkten an, dass die an den Protesten beteiligten Frauen aus allen Bevölkerungsschichten kamen. Viele von ihnen trugen Kopftücher und andere Zeichen religiösen Konservatismus, während andere ihre Freiheit genossen, einen Freund zu küssen oder in der Öffentlichkeit eine Zigarette zu rauchen.

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