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Das Erwachen des Nahen und Mittleren Ostens

Als die demokratische Revolte in Tunesien das alte Regime erfolgreich vertrieben hatte, herrschte weltweit noch ungläubiges Staunen vor. Demokratie von unten in der arabischen Welt?

Mit dem Umsturz der dreißigjährigen autoritären Herrschaft Mubaraks in Ägypten, dem Kernland des Nahen Ostens, wurde dann allerdings aus dem Staunen Gewissheit: der Nahe und Mittlere Osten war erwacht und begann, in die globalisierte Welt des 21. Jahrhunderts einzutreten. Bis dahin hatte die gesamte Region (mit Ausnahme Israels und der Türkei) an dieser gleichermaßen epochalen wie globalen Entwicklung kaum teilgenommen.

Ob sich das demokratische Erwachen in der arabisch-islamischen Welt tatsächlich durchsetzen wird, oder ob wir lediglich den Wechsel an der Spitze autoritärer Regimes erleben  werden, ob dieser Umsturz zur Demokratisierung oder Radikalisierung, demokratischer Ordnung oder anhaltendem Chaos führen wird, bleibt bis auf weiteres ungewiss. Klar ist jedoch bereits heute, dass der große Modernisierungsschlaf dieser weiten Region durch den Aufstand von unten für immer beendet ist.

Der Nahe und Mittlere Osten wird niemals mehr so sein, wie vor dem 11. Februar 2001. Und die Revolte wird weiter gehen und kaum ein Land in dieser Region verschonen, auch wenn der jeweilige Zeitpunkt ungewiss bleibt. Dies gilt ebenso für den Iran wie Syrien und Saudi-Arabien, das dabei die schwierigsten Probleme aufwerfen wird. Auch Israel wird gut beraten sein, sich auf diesen Epochenbruch in der Region einzustellen und möglichst schnell zu einem Frieden mit den Palästinensern und mit Syrien zu kommen. Allerdings spricht in Jerusalem wenig für die dazu notwendige Weitsicht.