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Der Nahe Osten ohne Assad

Wie wird der Nahe Osten eigentlich aussehen, wenn der syrische Bürgerkrieg zu einem Sturz des Regimes von Präsident Assad geführt hat, dessen Clan seit mehr als vier Jahrzehnten dieses zentrale Land der Region mit eiserner Faust beherrscht hat? Diese Frage drängt sich angesichts der jüngsten dramatischen Ereignisse sehr konkret auf, denn der syrische Bürgerkrieg hat offensichtlich eine neue Stufe erreicht.

Mit dem gelungenen Attentat auf den innersten Machtzirkel um Präsident Assad, mit den Kämpfen in der Hauptstadt Damaskus und an verschiedenen Grenzstationen zur Türkei und dem Irak und mit der fortschreitenden, immer  schwereren und präziseren Bewaffnung der Aufständischen zeichnet sich der Beginn des Endspiels um die Macht in Damaskus ab.

Freilich sollte man sich keine falschen Hoffnungen auf die Qualität der kommenden Veränderung machen. An die Stelle von Assad und seiner Diktatur wird nicht eine westlich geprägte Demokratie mit Rechtsstaat treten, sondern es ist eher mit noch chaotischeren und innenpolitisch noch gewalttätigeren Entwicklungen zu rechnen.

Mit dem Sturz des Regimes von Assad wird das Blutvergießen mitnichten ein Ende haben. Es ist vielmehr zu befürchten, dass dann die Zeit der Abrechnung mit den Stützen des Regimes und ihren Anhängern beginnen wird. Und dabei werden nicht nur die offenen Rechnungen zwischen den Anhängern und Gegnern des Regimes beglichen werden, sondern auch die zwischen den unterschiedlichen Clans und Religionsgemeinschaften.