0

Das Wunder von Mauritius

NEW YORK: Nehmen wir an, jemand beschriebe ein kleines Land, das für all seine Bürger bis hin zur Universität eine freie Schulbildung, die Beförderung aller Schulkinder sowie eine kostenlose Gesundheitsversorgung – einschließlich von Herzoperationen – gewährleistet. Man könnte vermuten, dass dieses Land entweder phänomenal reich ist oder auf direktem Wege auf eine Finanzkrise zusteuert.

Schließlich stellen immer mehr reiche Länder in Europa fest, dass sie nicht mehr für die Universitätsbildung aufkommen können, und fordern ihre jungen Leute und deren Familien auf, die Kosten dafür zu tragen. Die USA andererseits haben nie versucht, allen einen kostenlosen College-Besuch zu ermöglichen, und es erforderte einen erbitterten Kampf, damit Amerikas Arme Zugang zum Gesundheitssystem erhielten – und die Republikanische Partei arbeitet derzeit hart daran, diese Garantie mit der Begründung, das Land könne sie sich nicht leisten, zu widerrufen.

Aber Mauritius, ein kleiner Inselstaat vor der Ostküste Afrikas, ist weder besonders reich, noch steuert das Land haushaltsmäßig auf den Ruin zu. Trotzdem hat es in den letzten Jahrzehnten erfolgreich eine diversifizierte Wirtschaft, ein demokratisches politisches System und ein belastbares soziales Netz aufgebaut. Viele Länder, nicht zuletzt die USA, könnten von seinen Erfahrungen lernen.

Bei einem Besuch dieses tropischen Archipels von 1,3 Millionen Menschen hatte ich vor kurzem Gelegenheit, mir einige der Fortschritte, die Mauritius gemacht hat, anzusehen – Leistungen, die angesichts der Debatte in den USA und andernorts verblüffen. Man betrachte den Eigenheimanteil: Während Amerikas Konservative dem Versuch der Regierung, den Eigenheimanteil auf 70% der US-Bevölkerung auszuweiten, die Schuld für die Finanzkrise geben, wohnen 87% der Mauritier in den eigenen vier Wänden – ohne dass dies eine Häuserblase anheizen würde.