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Marx feiert Renaissance

PRINCETON – Karl Marx ist zurückgekehrt, wenn auch nicht wirklich aus dem Grab, so doch aus dem Mülleimer der Geschichte. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück sagte vor Kurzem, dass Marx’ Antworten unter Umständen für die heutigen Probleme nicht irrelevant sind. Der französische Präsident Nicholas Sarkozy ließ sich beim Blättern durch die Seiten von Marx’ Das Kapital fotografieren, und der deutsche Filmemacher Alexander Kluge verspricht, Das Kapital in einen Film zu verwandeln.

Wenige der neuen „Marxisten“ von heute wollen die Anziehungskraft eines Mannes genau erklären, der die deutsche Philosophie (aufbauend auf Hegel) mit der britischen politischen Ökonomie (nach David Ricardo) vereinen und damit zwei eher konservative Traditionen in eine Theorie der radikalen Revolution verwandeln wollte.

Marx war gewiss ein scharfsichtiger Analytiker der Globalisierungsversion, die im neunzehnten Jahrhundert stattfand. 1848 schrieb er im Kommunistischen Mannifest : „An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.“

Es gab gewiss viele andere Kommentatoren des neunzehnten Jahrhunderts, die die Entstehung globaler Netzwerke analysierten. Doch erleben wir keinen neuen Ansturm auf die Arbeiten solcher Persönlichkeiten wie John Stuart Mill oder Paul Leroy-Beaulieu.