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Das Liquiditätsrätsel

Zunehmend hören wir, dass es weltweit „Liquidität im Überfluss“ gebe; darum sei es gerechtfertigt, davon auszugehen, dass die Preise für Anlagewerte weiter steigen. Aber was bedeutet eine derartige Liquidität – und gibt es wirklich einen Grund, zu erwarten, dass sie einen weiteren Anstieg der Aktienkurse und Immobilienpreise sicherstellt?

Liquide Vermögenswerte sind Wertanlagen, die Bargeld ähneln, weil sie sich auf einfache Weise in Bargeld umwandeln lassen und verwendet werden können, um andere Wertanlagen zu erwerben. Die Idee scheint zu sein, dass gegenwärtig eine Menge liquider Wertanlagen herumschwirren und dass sie verwendet werden, um an Geld zu kommen, um die Aktienkurse, Eigenheimpreise, die Preise von Land und Kunstwerken usw. in die Höhe zu bieten.

Diese Theorie klingt so allgemein und grundlegend wie die Theorie, dass die globale Erwärmung die Gletscher weltweit zum Abschmelzen bringt und den Meeresspiegel anhebt. Steigende Meeresspiegel würden eine Menge geologischer und wirtschaftlicher Ereignisse erklären. Ist die zunehmende finanzielle Liquidität wirklich eine ähnliche Kraft? Was besagt diese Theorie überhaupt?

Im herkömmlichen Sinne würde der Begriff „Liquidität im Überfluss“ nahe legen, dass die Zentralbanken weltweit die Geldmenge zu sehr anheben, sodass zu viel Geld da ist, um zu wenige Güter zu erwerben. Doch wenn dies das Problem wäre, würden alle Preise – einschließlich derer etwa von Kleidung und Haarschnitten – ansteigen. Das war, was der Präsident der Federal Reserve, Arthur Burns, meinte, als er 1971 – in einer Zeit, als die Sorge einer allgemeinen Inflation galt – äußerte, dass es in den Vereinigten Staaten „Liquidität im Überfluss“ gebe.