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Der Libertär und die Lobbyisten

WASHINGTON, D.C. – In den drei Jahren seit Ausbruch der weltweiten Finanzkrise haben sich zwei vorherrschende Meinungen gebildet, was schiefgelaufen ist. Es ist wichtig, dass wir beide verstehen, denn ihre Tragweite für politische Entscheidungsträger – und somit für die zukünftige Gesundheit und Stabilität der Weltwirtschaft – könnte nicht größer sein.

Der ersten Auffassung nach haben Regierungen einfach die Kontrolle über die Situation verloren, entweder durch Inkompetenz oder weil Politiker eigene Absichten verfolgt haben. Diese Meinung wird am häufigsten von der politischen Rechten vertreten – so etwa von Leuten, die glauben die staatliche Wohnungspolitik sei das Hauptproblem im Vorfeld des finanziellen Zusammenbruchs von 2008 gewesen.

Unter den Kandidaten, die in den USA nach wie vor um die Nominierung der Republikanischen Partei als Herausforderer von Barack Obama bei den Präsidentschaftswahlen im November konkurrieren, sticht Ron Paul durch die unbeirrbare Behauptung hervor, die Regierung sei das Problem und nicht die Lösung in Bezug auf die Banken. Wenn die Regierung stärker aus dem Finanzsektor herausgehalten würde (dazu zählt unter anderem die Abschaffung der US-Notenbank), so Paul, würde die Wirtschaft besser funktionieren.

Der zweiten Auffassung zufolge hat der Finanzsektor in den letzten Jahrzehnten ausdauernd und intensiv Lobbying zugunsten von Deregulierung betrieben und eine Menge Zeit und Geld dafür ausgegeben, Politiker zu überzeugen, dass diese Liberalisierung das sichere und moderne Konzept für Bankgeschäfte sei. Dieser Ansicht nach hat die Regierungspolitik nicht versagt; im Gegenteil, sie hat genauso gewirkt, wie es gedacht war – und wie es gekauft und bezahlt worden ist.