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Der Papst und die Partei

ALBERTA – Vor dem Anbruch des zwanzigsten Jahrhunderts war Papst Leo XIII. sehr betrübt über die Wahlmöglichkeit der Menschheit zwischen atheistischem Sozialismus und käuflichem Liberalismus, und er beauftragte katholische Intellektuelle, eine bessere Lösung zu finden. Als Ergebnis wurde 1891 im enzyklischen Rerum Novarum der Korporatismus dargelegt, und Leos Nachfolger während des Krieges, Pius XI., sagte im Rückblick, dieser habe „für die gesamte Menschheit die sichersten Regeln dargelegt, um das schwierige Problem menschlicher Beziehungen, genannt ‚die soziale Frage’, ein für alle Mal zu lösen.“

Korporatismus (der von den dreiseitigen Handelsstrukturen unterschieden werden muss, die in den 1970ern in vielen Ländern unter dem Namen „Neo-Korporatismus“ auftauchten)wurde zur einflussreichsten, ethisch motivierten Eingriffsmöglichkeit in die Wirtschaft der modernen Geschichte. Als katholische Sozialdoktrin bis ins späte zwanzigste Jahrhundert prägt der Korporatismus immer noch Verfassungen, Gesetze und Einstellungen auf der ganzen Welt. Er kann in vier Lehrsätzen zusammengefasst werden:

·         Gleichheit ist eine grausame Illusion: Die Menschen sind am glücklichsten auf dem richtigen Platz in einer Hierarchie, die durch katholischen Lehren begründet ist.

·         Wettbewerb ist spirituell erniedrigend. Assoziationen – Komitees katholischer Unternehmer, Arbeiterführer und Beamter – müssen innerhalb vertikal verbundener Wirtschaftsstrukturen, die Korporationen genannt werden, Quoten, Preise und Löhne festlegen. Eine typische korporatistische Wirtschaft könnte aus etwa dreißig Korporationen bestehen – Lebensmittel, Schwerindustrie, Textilien, Chemikalien usw. – und jeweils die Bereiche der Rohmaterialien, Produktion, Vertrieb und Wiederverkauf umfassen. Internationaler Handel und neue Unternehmen sind unerwünscht, da sie die Macht der Assoziationen untergraben.