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Warum ist die Inflation in den USA so niedrig?

CAMBRIDGE, MASS. – Warum geht die quantitative Lockerung bisher in den USA mit Preisstabilität einher? Oder, wie ich es oft höre: „Warum hat das viele Geld, das die Fed gedruckt hat, keine höhere Inflation verursacht?“

Die Inflation war bisher in der Tat sehr niedrig. Der Verbraucherpreisindex ist in den letzten fünf Jahren jährlich um lediglich 1,5% gestiegen. Die bevorzugte Messgröße der Federal Reserve für die Inflation – der Preisindex für private Konsumausgaben ohne Nahrungsmittel und Energie – stieg ebenfalls jeweils nur um 1,5%.

Dagegen waren die Käufe langfristiger Anleihen, die die Fed tätigte, unerhört umfangreich. Die Fed hat für mehr als zwei Billionen Dollar US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere gekauft; das ist fast zehnmal so viel wie der jährliche Durchschnitt während des vorhergehenden Jahrzehnts. Allein im letzten Jahr ist der Anleihebestand in der Bilanz der Fed um mehr als 20% gestiegen.

Die Geschichte zeigt, dass ein rasches Wachstum der Geldmenge in der Tat eine hohe Inflation anheizt. Dies war während der Hyperinflation in Deutschland in den 1920er Jahren und der in Lateinamerika in den 1980er Jahren sehr deutlich. Doch selbst moderate Veränderungen beim Wachstumstempo der Geldmenge in den USA haben sich in entsprechenden Änderungen der Inflationsrate niedergeschlagen. In den 1970er Jahren stieg die Geldmenge in den USA um jährlich 9,6%, die höchste Rate in den letzten 50 Jahren; die Inflation wies mit durchschnittlich 7,4% ebenfalls den höchsten Stand in einem halben Jahrhundert auf. In den 1990er Jahren lag das jährliche Durchschnittswachstum der Geldmenge bei nur 3,9%, und die durchschnittliche Inflationsrate nur bei 2,9%.