Die feminine Zukunft der Entwicklungsländer

LONDON – Den Vereinten Nationen zufolge erleiden 70% der Frauen weltweit irgendwann in ihrem Leben Gewalt. Die Weltbank fügt hinzu, dass es für Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren wahrscheinlicher ist, Opfer von Vergewaltigung oder häuslicher Gewalt zu werden, als Krebs, einen Autounfall, Krieg oder Malaria zu erleiden. In den Entwicklungsländern, wo Diskriminierung und Ungleichheit der Geschlechter besonders ausgeprägt sind, sind diese Indikatoren noch alarmierender.

Dies liegt teilweise daran, dass die Politik dabei versagt hat, die Verteilungseffekte schnellen Wirtschaftswachstums auszugleichen. Da in den Entwicklungsländern der informelle Sektor weiterhin eine große Rolle spielt, haben Frauen oft lediglich Zugang zu unzuverlässigen und temporären Arbeitsverhältnissen mit nur gelegentlicher und unregelmäßiger Bezahlung. Außerdem hat die beispiellose Urbanisierung die traditionellen Familienstrukturen aufgelöst und damit die Funktionen, die Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen können, weiter reduziert.

Die zerstörenden Auswirkungen aktiver Geschlechterdiskriminierung – wie die Verbrennung von Bräuten oder der Mord an weiblichen Säuglingen – sind offensichtlich. Aber ähnlich destruktiv ist passive Diskriminierung – Regeln und Institutionen, die Frauen die Mitsprache bei Fortpflanzungsentscheidungen, gleichen Zugang zu Ausbildung und Arbeitsplätzen, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, gleiche Rechte vor dem Gesetz und gleichen politischen Einfluss verweigern.

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