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Wann sind Staatsschulden riskant?

BERKELEY – Eine Regierung, die keine ausreichenden Steuern erhebt, um ihre Ausgaben zu decken, bekommt irgendwann alle möglichen schuldengenerierten Probleme. Ihre nominalen Zinssätze werden steigen, wenn die Anleihengläubiger Angst vor einer Inflation bekommen. Führende Unternehmer werden auf Nummer sicher gehen und aus Angst vor hohen zukünftigen Körperschaftssteuern versuchen, ihr Vermögen aus den von ihnen geführten Unternehmen abzuziehen.

Außerdem werden die Realzinsen aufgrund der politischen Ungewissheit steigen, was viele Investitionen, die sozial äußerst produktiv sind, unprofitabel macht. Und wenn die Inflation Einzug hält, wird die Arbeitsteilung weniger. Das einst große Netz, das von dünnen monetären Fäden zusammengehalten wurde, wird in sehr kleine Netze zersplittern, die durch die dicken Stränge des persönlichen Vertrauens und der gesellschaftlichen Verpflichtung gefestigt werden. Und geringe Arbeitsteilung bedeutet geringe Produktivität.

All das wird – am Ende – passieren, wenn eine Regierung keine ausreichenden Steuern erhebt, um ihre Ausgaben zu decken. Aber kann es passieren, solange die Zinssätze niedrig bleiben, die Aktienpreise steigen und die Inflation gedämpft bleibt? Ich und andere Ökonomen – unter ihnen Larry Summers, Laura Tyson, Paul Krugman und viele andere – meinen nicht.

Solange die Aktienkurse steigen, haben Unternehmer keine Angst vor zukünftigen Steuern oder politischer Ungewissheit. Solange die Zinssätze niedrig bleiben, stehen die öffentlichen Investitionen nicht unter Druck. Und solange die Inflation niedrig bleibt, werden die von der Regierung zusätzlich emittierten Schulden als Wertaufbewahrungsmittel hoch geschätzt, was dazu beiträgt, dass Sparer nachts besser schlafen, und die Wirtschaft belebt, da es zum Schuldenabbau beiträgt und das Ausgabentempo beschleunigt.