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Globale Kapitalregeln

CAMBRIDGE, MASS. – Es ist offiziell. Der Internationale Währungsfonds hat Kapitalkontrollen sein Plazet gegeben und damit den Einsatz von Steuern und sonstigen Beschränkungen in Bezug auf grenzüberschreitende Finanzströme legitimiert.

Es ist noch nicht lange her, dass der IWF hart darauf drängte, dass sich alle Länder – reiche wie arme – für ausländische Finanzmittel öffnen sollten. Jetzt hat er die Realität anerkannt, dass die Finanzglobalisierung ein Störfaktor sein kann, der Finanzkrisen und wirtschaftlich nachteilige Währungsbewegungen hervorruft.

Die unendliche Geschichte unserer Hassliebe zu Kapitalkontrollen ist damit um eine weitere unerwartete Wendung reicher.

Im Rahmen des klassischen Goldstandards, der bis 1914 herrschte, war die freie Mobilität des Kapitals sakrosankt. Doch die Turbulenzen der Zwischenkriegszeit überzeugten viele – unter ihnen bekanntermaßen John Maynard Keynes –, dass eine offene Kapitalverkehrsbilanz mit gesamtwirtschaftlicher Stabilität unvereinbar ist. Dieser neue Konsens spiegelte sich im Bretton-Woods-Abkommen von 1944 wider, das Kapitalkontrollen in der Satzung des IWF festschrieb. Keynes kommentierte das damals so: „Was einst Ketzerei war, wird jetzt als orthodoxe Lehre bestätigt.“