Der IWF übernimmt in Europa

CAMBRIDGE, MASS.: Mit der zentralen Rolle, die der Internationale Währungsfonds bei den Rettungsplänen der Eurozone für Griechenland spielt, schließt sich der Kreis für die multilaterale globale Kreditorganisation. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war es die zentrale Aufgabe des IWF, Europa zu helfen, aus den Verheerungen des Krieges aufzuerstehen. Überall auf dem Kontinent unterhielt der Fonds einst Dutzende von Programmen (Rong Qian, Carmen Reinhart und ich haben dies in unseren neuen Untersuchungen dazu, wie Staaten ihre Schuldenkrisen dauerhaft hinter sich lassen, aufgezeigt.) Doch bis zur Finanzkrise gingen die meisten Europäer davon aus, dass sie inzwischen viel zu reich seien, um je die Demütigung auf sich nehmen zu müssen, den IWF um Finanzhilfe zu bitten.

Willkommen in einer neuen Ära. Europa ist zum Ground Zero für die größte Ausweitung der Kreditvergabe und des Einflusses geworden, die der IWF seit Jahren erlebt hat. Für mehrere große osteuropäische Länder – darunter Ungarn, Rumänien und die Ukraine – gibt es bereit IWF-Kreditprogramme erheblichen Umfangs. Und nun haben die Länder der Eurozone vereinbart, dass der Fonds sich, wenn nötig, in Griechenland und wohl auch Portugal, Spanien, Italien und Irland engagieren kann.

Der Wiederaufstieg des IWF während des vergangenen Jahres ist atemberaubend. Kastriert durch populistische Rhetorik während der asiatischen Schuldenkriege Ende der 1990er Jahre, hatte der Fonds lange zu kämpfen, um seine Politik neu zu verankern und sein Image wiederherzustellen. Als der Franzose Dominique Strauss-Kahn im Herbst 2007 das Steuer übernahm, mieden selbst arme afrikanische Länder den IWF, als wäre er vom Aussatz befallen, und zogen es vor, mit weniger traditionellen Kreditgebern wie China Geschäfte zu machen. In Ermangelung neuer Geschäfte und neuer Einnahmen, sah sich der Fonds schlimmen Einschnitten ausgesetzt, um das eigene Überleben zu sichern.

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