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Hybride Menschen

SINGAPUR – Die Wahl eines neuen Papstes sorgt in der Katholischen Kirche immer für eine  Debatte im Spannungsfeld von Tradition und Moderne. Noch interessanter ist vielleicht die kontinuierliche Modernisierung der Sprache, in der diese Diskussionen geführt werden: Latein.

Während sich katholische Lehren langsam weiterentwickelt haben, ist das lateinische Vokabular in den letzten Jahren kontinuierlich erweitert worden und das Aufkommen von Neologismen (neu eingeführte oder mit neuer Bedeutung verwendete Wörter und Ausdrücke) verdeutlicht die immer größere Rolle, die Technologie im Alltag der Menschen einnimmt. Die Erweiterung um Begriffe wie telephonium albo televisifico coniunctum (Videokonferenz) und usus agonisticus medicamenti stupecfactivi (Medikamentenmissbrauch) hat dazu beigetragen, in westlichen Ländern neues Interesse am Fach Latein zu wecken, auch wenn es  sich gegen die wachsende Konkurrenz durch Mandarin-Chinesisch behaupten muss.

Auch die Fähigkeit der englischen Sprache, Neuschöpfungen hervorzubringen und zu integrieren ist ein wichtiger Grund, warum sie auf der Welt als Lingua franca Bestand haben wird. Im lexikografischen Referenzwerk für die englische Sprache, dem Oxford English Dictionary, das inzwischen vierteljährlich aktualisiert wird, sind für die Ausgabe vom März 2011 mehr als 1.900 Worteinträge überarbeitet und neue Begriffe hinzugefügt worden, so etwa „subdomain“, „dataveillance“ und „geotagging“.

Der Mensch nutzt Sprache, um die Bedeutung spezifischer Konzepte, aber auch von größeren wissenschaftlichen, sozialen und historischen Bewegungen zu verstehen. Technologien geben solchen Strömungen ein neues Gesicht – und Tempo – und deshalb wird es immer wichtiger, Begriffe zu ersinnen, mit denen sich die weitreichenden Auswirkungen auf das Leben des Menschen erfassen lassen.