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Die Stunde der Technokraten

CAMBRIDGE – Sowohl Griechenland als auch Italien haben sich in ihrer Verzweiflung angesichts der tiefen Krise und hohen Verschuldung entschieden, Technokraten an die Spitze ihrer neuen Regierungen zu setzen – Lucas Papademos beziehungsweise Mario Monti. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler und nicht Politiker sollen Auswege aus der festgefahrenen Situation finden. Beide können als Professoren bezeichnet werden: Monti war Präsident der Bocconi-Universität Mailand und EU-Kommissar, und Papademos war in dem Jahr nach der Beendigung seiner Amtszeit als Vizepräsident der Europäischen Zentralbank mein Kollege an der Harvard Kennedy School of Government.

Es wird wahrscheinlich nicht lange dauern, bis beide Männer für Schlagzeilen wie diese sorgen: „Professoren ‚sehr gut‘ in Wirtschaftswissenschaften, aber ‚ungenügend‘ in Politik“. Ein unfaires Urteil, denn nicht mangelnde politische Kompetenz wird sie in die Klemme geraten lassen, sondern mangelnde politische Macht.

Monti besitzt für seine Expertenregierung zwar großen Rückhalt in der Bevölkerung, hat aber keine parlamentarische Mehrheit, auf die er sich verlassen kann. Unterdessen hat der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi deutlich gemacht, dass er seine persönlichen politischen Interessen nicht zum Wohle des Landes hintanstellen wird.

Papademos hat ein noch schwächeres Blatt auf der Hand. Obwohl er sich nach Kräften bemüht hat, eine längere Amtszeit als drei Monate durchzusetzen und seine Übernahme des Amtes als Ministerpräsident an die Bedingung knüpfte, einige Mitglieder seines Kabinetts benennen zu können, ist es ihm letztlich nicht gelungen seine beide Forderungen durchzusetzen.