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Zwei Dollar-Irrtümer

CAMBRIDGE – Die aktuelle Haushalts- und Währungspolitik der Vereinigten Staaten ist unhaltbar. Die Nettoschulden der USA als Anteil des BIP haben sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt, und laut Hochrechnungen soll diese Quote in zehn Jahren noch höher sein, selbst wenn sich die Wirtschaft bis dahin vollständig erholt haben und die Zinsen im Normalbereich sein sollten. Eine alternde US-Bevölkerung wird dazu führen, dass die Sozialleistungen rapide ansteigen, was die Schulden auf über 100 % des BIP steigen lassen und ihre Anstiegsgeschwindigkeit beschleunigen wird. Obwohl die US-Notenbank (Fed) und ausländische Kreditgeber wie China derzeit diesen Anstieg finanzieren, ist ihre Bereitschaft dazu nicht unbegrenzt.

Ebenso hat das groß aufgelegte Programm der Fed zum Kauf von Anleihen (large-scale asset purchases) die überschüssigen Reserven von Geschäftsbanken auf ein nie zuvor da gewesenes Niveau (fast 2 Billionen USD) ansteigen lassen und die Realzinsen für zehnjährige US-Schatzanleihen auf ein bislang unerreichtes negatives Niveau gedrückt. Wie die Fed zugibt, muss dies aufhören und umgekehrt werden.

Während die zukünftige Entwicklung dieser Ungleichgewichte unklar bleibt, könnte das Ergebnis am Ende ein steiler Anstieg der langfristigen Zinssätze und ein beträchtliches Absinken des Dollarwerts sein, was vor allem auf das Widerstreben ausländischer Investoren, weitere US-Schulden aufzukaufen, zurückzuführen ist. Amerikanische Investoren, die eine Umkehr der fiskalischen und monetären Positionen fürchten, könnten zu diesen Veränderungen beitragen, indem sie versuchen, verstärkt Wertpapiere anderer Länder in ihre Portfolios aufzunehmen.

Während ich diese Bedenken teile, verweisen andere häufig auf zwei entscheidende Argumente, um die Angst vor einer Flucht aus dem Dollar zurückzuweisen: Der Dollar ist eine Reservewährung, und er birgt weniger Risiken als andere Währungen. Keines der beiden Argumente ist überzeugend.