Die grünen Guevaras

„Bolivien ist reich“, sagte mir letzte Woche eine Frau vom indigenen Stamm der Tacana im Madidi-Nationalpark. Am Morgen dieses Tages beobachteten wir Hunderte von Kapuziner- und Totenkopfaffen wie sie sich vom grünen Dach des Amazonasdschungels schwangen und nun erholten wir uns am Ufer des Chalalan-Sees während ihr Cousin, ein Schamane, Koka-Blätter für die traditionelle abendliche Trommel- und Tanzfeier segnete.

Wir befinden uns in der Chalalan-Lodge, einem Ökotourismusunternehmen, das zur Gänze im Besitz der Indios steht und von ihnen betrieben wird. Dieser Betrieb ermöglichte es Hunderten indigener Familien, der Armut zu entkommen und nebenbei jährlich eine halbe Million Dollar zu erwirtschaften, die der bolivianischen Wirtschaft zugute kommen. Dieses Unternehmen ist eines von Dutzenden ähnlichen Betrieben – in der größten Salzwüste der Welt im Süden des Landes, am Titicacasee im Westen und in den Pantanal-Feuchtgebieten im Osten – die wirtschaftliches Wachstum mit Umweltschutz verbinden. Es erscheint unwirklich, dass es derartige Betriebe ausgerechnet in Bolivien gibt, einer zerbrechlichen Demokratie, die neben Haiti das ärmste Land der Hemisphäre ist.

Die Präsidentenwahlen am 18. Dezember rücken näher und die Kandidaten könnten verschiedener nicht sein. An vorderster Front finden wir Evo Morales, einen Amayra-Indio, dessen Kandidatur von seiner Bewegung zum Sozialismus unterstützt wird und der manchmal als die zweite Auflage Che Guevaras bezeichnet wird. Hinter „Evo“ kandidiert Jorge „Tuto” Quoroga, ein Millionär und ehemaliger IBM-Manager aus der europäisch- stämmigen bolivianischen Elite. Er steht den amerikanischen Republikanern sehr nahe und ist mit einer texanischen Blondine namens Ginger verheiratet.

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