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Die große Flucht vor der Wirklichkeit

NEW YORK – Wie durchwachsen Barack Obamas Leistungen als US-Präsident bisher auch sein mögen, ihm geht es jedenfalls darum, Amerikas Image aufzubessern und ihm sein ehemals größtes Kapital zurückzugeben: die Fähigkeit, universell bewunderte Werte zu verkörpern. Da diese Werte üblicherweise über die Populärkultur vermittelt werden, lohnt sich ein Blick darauf, was das amerikanische Kino, die Musik und Populärliteratur in großen Teilen der Welt so attraktiv macht.  

Denn vieles von dem, worauf Amerika früher in Hollywood-Filmen und anderen Popkultur-Exporten ein Monopol hatte, wird nun anderswo kopiert. Bollywood wetteifert mit Kalifornien im Hinblick auf glamouröse Stars und hohe Produktionszahlen. Japan und Südkorea bauen eigene Popsänger und Modetrends auf.

Man denke aber an Entourage, die amerikanische Fernsehserie, in der es um einen aufstrebenden Schauspieler und seine ihn umgebende Clique geht.  Oder an einen vor kurzem im New Yorker erschienenen Artikel über zwei schmuddelige Jungköche, die durch das Land fahren, um ihr großes Abenteuer eines eigenen verrückten Restaurants namens Animal in die Tat umzusetzen. Oder man denke an Swingers, den weltweiten Filmhit aus dem Jahr 1996, über einen Mittzwanziger in Hollywood, den seine Freunde nach Las Vegas mitnehmen, um dort sein gebrochenes Herz zu kitten.

Es scheint, als wäre Amerikas letzter wettbewerbsfähiger Exportschlager die nachpubertäre männliche Fluchtfantasie.