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Positive Randerscheinungen des Irak-Krieges

Die Moral mit der Art und Weise in Einklang zu bringen, wie eine Gesellschaft organisiert ist - mit anderen Worten: die Versöhnung von Ethik und Politik - ist eines der ältesten Bestreben der Menschheit. Hammurabi, Ramses II., Solon, Konfuzius und Perikles gehören zu jenen ersten bedeutenden Persönlichkeiten, die sich dieser Anstrengung widmeten. Das Entstehen der Nationalstaaten im 18. Jahrhundert und das im 20. Jahrhundert erreichte extreme Ausmaß der Barbarei können den Eindruck hervorrufen, als sei eine ethische Politik ein unerreichbarer Traum - oder ein Traum, der in eine immer weiter entfernte Zukunft rückt.

Trotz nationaler Rivalitäten und dem blutigen Charakter unserer modernen Kriegsführung jedoch ist die Demokratie auf dem Vormarsch. So hat Lateinamerika es geschafft, sich in nur einem halben Jahrhundert von all seinen militärischen und zivilen Diktaturen zu befreien, und Afrika hat mehr als die Hälfte jener Despoten beseitigt, die der Ära seiner Unabhängigkeit so zur Schande gereichten.

Verglichen mit allen anderen der Menschheit bekannten Herrschaftsformen verkörpert die Demokratie in zweifacher Hinsicht einen ethischen Fortschritt: Erstens basiert sie auf dem Respekt vor den Menschenrechten, und zweitens verbietet das universelle Wahlrecht, das die moderne Demokratie sich zu Eigen gemacht hat, die Missachtung oder Diskriminierung von Minderheiten.

Natürlich bleibt der Fortschritt hin zu mehr Demokratie und Moral in der internationalen Politik extrem langsam. Das Jahr 2004 allerdings könnte uns einen der größten Fortschritte in diesem Bereich in unserer Geschichte bescheren.