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Die Geister vergangener Gipfel

PRINCETON: Die Welt sieht sich derzeit einer dramatischen Finanzkrise gegenüber, die viele politische Entscheidungsträger für gravierender halten als die Große Depression der Zwischenkriegszeit. Dabei hatten Experten vor 2008 erklärt, eine neue Große Depression sei aufgrund der Stärke und Tiefe der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingerichteten Kooperationsmechanismen unmöglich.

Insofern hat der G20-Gipfel enorme Erwartungen geweckt, dass sich die enorme Zahl wirtschaftlicher Probleme einmal mehr durch internationale Bemühungen überwinden ließe. Leider lässt allein schon die Höhe der Erwartungen vermuten, dass diese fast mit Sicherheit enttäuscht werden werden.

Schon die vom an den wichtigsten, aufgegebenen Versuch zur Steuerung der Weltwirtschaft während der Großen Depression erinnernden Gipfelort ausgehende Symbolik ist bedauerlich: Auch die Weltwirtschaftskonferenz des Jahres 1933 fand in London statt – im Geologischen Museum –, und der Teilnehmerkreis aus 66 Ländern war sogar noch größer. Und obwohl die Teilnehmer des diesjährigen Gipfels das Geologische Museum möglicherweise nicht besuchen werden, werden sie sich doch mit den Schemen vergangener Konferenzen auseinandersetzen müssen – denn das Scheitern von 1933 birgt wichtige Lehren für unsere gegenwärtigen Führungen.

Erstens erwartete wie beim G20-Gipfel jeder ein Scheitern der Londoner Konferenz. Die Vollversammlung war paralysiert durch die Art und Weise, in der die zu ihrer Vorbereitung eingesetzten Kommissionen gearbeitet hatten. Die Währungsexperten argumentierten, dass eine Übereinkunft zur Währungsstabilisierung hochgradig wünschenswert sei, aber eine vorherige Einigung über den Abbau von Handelsschranken erfordere – über all die hohen Zölle und Quoten also, die im Laufe der Depression eingeführt worden waren.