Die Gespenster der Geschichte in Ostasien

Heuer jährt sich zum hundersten Mal das Ende des russisch-japanischen Krieges im Jahr 1905 und am 15. August gedenkt man in vielen Ländern des Endes des Zweiten Weltkrieges im Pazifik vor 60 Jahren. Gewiss, die militärische Vorherrschaft Japans in Ostasien - die mit dem russisch-japanischen Krieg ihren Ausgang nahm und zum Zweiten Weltkrieg führte - existiert nicht mehr. Die Gespenster der Geschichte gehen in Ostasien allerdings noch immer um, da jedes Land damit beschäftigt ist, seine Vergangenheit zu bewältigen.  

China bildet dabei den Angelpunkt. Über Jahrhunderte wechselten japanische und chinesische Vorherrschaft in Ostasien einander ab und heute versuchen beide Länder ihre regionalen Hegemonieansprüche durchzusetzen. Historischer Austragungsort dieser Rivalitäten war die koreanische Halbinsel, aber nachdem es zwischen Nord- und Südkorea offenbar Friedensbemühungen gibt, erhebt auch Südkorea Anspruch auf Einfluss in der Region. 

Ressentiments aufgrund historischer Verfehlungen verstärken diese rivalisierenden Einflussbestrebungen. Während seines Besuchs in den USA im Juni erzählte der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun Präsident Bush, dass China in der Geschichte über 100 Mal in Korea einmarschierte. Diese Ausführungen schockierten China, das sich selbst als Opfer von Invasionen sieht (am demütigendsten die der Japaner) und dabei auf seine eigene Geschichte der Drangsalierung von Nachbarn vergisst.

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