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Das Schreckgespenst Biafra

Als der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo am 13. Januar überraschend verkündete, einen landesweiten Dialog für eine Verfassungsreform in Gang zu setzen, beugte er sich damit dem Unvermeidlichen. Die lautstarken Forderungen empörter Politiker und Menschenrechtsaktivisten nach einer derartigen Konferenz hatten ihren Höhepunkt erreicht.

Obasanjo und die regierende Volksdemokratische Partei wurden im Mai 2003 unter fragwürdigen Umständen wiedergewählt. Oppositionelle Kräfte unter dem Vorsitz von Muhammadu Buhari, dem Kandidaten der Allnigerianischen Volkspartei, beschuldigten Obasanjo, die Wähler mit Polizeigewalt eingeschüchtert und die Wahlergebnisse gefälscht zu haben.

Zunächst hatte es den Anschein, als ob Obasanjo die Krise aussitzen und seine Amtszeit ohne Zugeständnisse an seine Opponenten beenden würde. Ende Dezember 2004 allerdings stellte das Wahlgericht in der nigerianischen Hauptstadt Abuja fest, dass die Wahl zwar in den meisten Teilen des Landes frei und fair ablief, dass aber in Ogun, dem Heimat-Bundesstaat des Präsidenten, die Anzahl der abgegebenen Stimmen höher war als die Einwohnerzahl. Die Opposition benutzte diesen Gerichtsentscheid, um Obasanjo zum Rücktritt aufzurufen.

Zur gleichen Zeit versank der östliche Teil des Landes in Anarchie. Polit-Randalierer aus dem Dunstkreis des Präsidenten versuchten aus Zorn, dass es für sie keine lukrativen öffentlichen Aufträge gab, mit handgreiflichen Methoden einen Gouverneur aus dem Amt zu entfernen. Obasanjo weigerte sich diese Rowdys sogar dann noch zur Ordnung zu rufen, als sie in Regierungsbüros eingedrungen waren und diese zerstört hatten. Im Nigerdelta, wo die Ölproduktion und die Vernachlässigung durch den Staat die Umwelt verwüstet und Existenzen ruiniert haben, zogen aufgebrachte junge Menschen in die Sümpfe und führten einen Aufstand gegen föderale Truppen an.