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Die leeren Gesten der G-20

CAMBRIDGE – In diesem Monat sind die 20 wichtigsten Finanzminister und die 20 wichtigsten Notenbankchefs der Welt aus allen Teilen der Erde nach Washington gereist, um, wie vorherzusehen war, exakt nichts zu bewerkstelligen.

Thema des jüngsten Zusammentreffens der G-20 waren „globale Ungleichgewichte“. Im Mittelpunkt des Treffens, so einem von der Gruppe herausgegebenem Kommuniqué zu entnehmen, stand die Entwicklung eines Verfahrens zur Identifizierung der G-20-Länder, die „anhaltend große Ungleichgewichte“ aufweisen und der Gründe, warum das so ist. Diese heikle Aufgabe der Analysierung wurde dem Internationalen Währungsfonds zugewiesen, der seine Arbeit vor dem nächsten Treffen der Minister im Oktober abschließen soll.

Es braucht wohl kaum ein Team aus IFW-Ökonomen, um diese Fragen zu beantworten. Kein Student der Volkswirtschaftslehre im ersten Studienjahr hätte Schwierigkeiten, die Länder mit den höchsten Handelsüberschüssen und -defiziten zu identifizieren. Den ersten Preis gewinnen die Vereinigten Staaten mit einem Handelsbilanzdefizit in Höhe von über 650 Milliarden US-Dollar in den letzten 12 Monaten. Kein anderes Land reicht so nahe daran heran, dass es den zweiten Preis verdient hätte.

Der umfassendere Leistungsbilanz-Indikator (der den Handel mit Dienstleistungen und die Einkommensbilanz einschließt) bestätigt Amerikas Führungsrolle: Sein Zahlungsbilanzdefizit beträgt knapp 500 Milliarden US-Dollar. Kein anderes Land weist ein Leistungsbilanzdefizit auf, das mehr als 100 Milliarden US-Dollar beträgt.