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Die Zukunft der Fakten

BUDAPEST – Bei einer Konferenz von Zeitungsredakteuren, an der ich vor Kurzem teilnahm, hatte sich eine kleine Menschenmenge versammelt, um über Journalismus und neue Medien zu reden. Als ich der Gruppe erzählte, dass ich meine Laufbahn als Faktenprüferin bei einem Magazin begonnen hatte, bekamen einige von ihnen einen verklärten Blick, als hätte jemand einer Gruppe von Priestern von seiner Kindheit als Messdiener erzählt.

Ich brachte meine Vergangenheit zur Sprache, weil ich glaube, dass das Faktenprüfen nicht nur für den Journalismus das absolut beste Training ist, sondern auch für das Leben im Allgemeinen. Es lehrt einen, skeptisch zu denken. Es ist einfach, etwas zu glauben, wenn es von jemandem behauptet wird, der sachkundig erscheint. Doch wenn man für das Überprüfen von Fakten verantwortlich ist, hört man genauer hin.

Auf welchen Quellen beruhen die Fakten des Sprechers? Springt dabei etwas für ihn heraus – ein höherer Aktienkurs, eine Werbeprovision oder die Dankbarkeit von jemandem? Oder ist er einfach voreingenommen aufgrund der Menschen, die er kennt, des Unternehmens, für das er arbeitet, oder der Einstellung, die er zu Hause gelernt hat?

Ich durchkämmte stundenlang Quellen – in den Jahren vor dem Internet meistens staubige Zeitungen – oder befragte Fremde am Telefon, um Fragen zu den Fakten zu klären: Handelte es sich wirklich um das erste derartige Produkt? War Mr. Smith 42 oder schon 43 Jahre alt? Stimmte seine Behauptung, dass die Einnahmen in den letzten fünf Jahren gestiegen waren, nur aufgrund der Übernahmen, die sein Unternehmen durchgeführt hatte? Und so weiter.