Der geschrumpfte Fisch

Vor tausend Jahren aßen die altnordischen Siedler in meiner Heimatstadt York Kabeljau von einem Gewicht von bis zu acht Kilo - eine Erkenntnis, die wir den Archäologen und ihrer Faszination für mittelalterliche Abfallhaufen verdanken. Heute jedoch kann man von Glück sagen, wenn man einen Kabeljau von mehr als zwei Kilo findet. Was haben wir mit unseren Fischbeständen angestellt, um Veränderungen wie diese hervorzubringen, und macht es etwas aus?

Die Fischereipolitik verfolgt das Ziel, es kleinen Fischen zu erlauben, heranzuwachsen. Dies geschieht aus dem besten aller Gründe: Fische, die gefangen werden, wenn sie noch zu klein sind, bringen nur einen geringen Ertrag. Darüber hinaus hatten diese Fische noch keine Gelegenheit, sich fortzupflanzen, was zu einer Dezimierung der Fischbestände insgesamt führt. Deshalb gehören beispielsweise der „Schutz der Fischressourcen durch Festlegung der Fischmengen, die den Meeren entnommen werden dürfen, Maßnahmen, die das Überleben einer ausreichenden Menge von Fischen im fortpflanzungsfähigen Alter garantieren , [und] Kontrollen, damit diese Maßnahmen auch eingehalten werden", zu den erklärten Zielen der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU.

Tatsächlich jedoch haben wir die Bestände „heruntergefischt", sodass nur noch wenige große, alte Tiere übrig sind. Um dies zu illustrieren, lassen Sie uns den Nordsee-Kabeljau betrachten: Nimmt man einen Originalbestand von 10.000 Exemplaren im Alter von einem Jahr an, so erleben - bei ausschließlich natürlicher Sterblichkeit - etwa eintausend dieser Fische das Alter von acht Jahren. Eine moderate fischereiliche Sterblichkeitsrate senkt die Zahl der überlebenden Kabeljaus auf etwa 100 ab. Fischereiliche Sterblichkeitsraten, wie wir sie in den vergangenen 20 Jahren verursacht haben, reduzieren die Zahl der Überlebenden auf etwa drei.

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