0

Der Kampf um die Mitte - Deutschland nach der Wahl

Deutschland hat sich entschieden, die große Koalition wurde krachend abgewählt und hat die Sozialdemokraten dabei mit in den Abgrund gerissen. Von der einstmals stolzen Mehrheit der Schröder-SPD sind nur noch Trümmer übrig geblieben, und das Mitte-Rechts-Lager hat eine eindeutige Mehrheit bekommen. Zwar musste auch die CDU Federn lassen, aber bescheiden, wohingegen deren bayrische Schwester ein Debakel erlebte und sich somit zweiter Verlierer nennen darf.  

Der Einlauf der Parteien in das Ziel scheint auf den ersten Blick eindeutig zu sein: SPD am Boden, CSU im freien Fall, CDU gerupft. Die Gewinner sind, streng der Reihe nach die Grünen (3.Platz), Linkspartei (2. Platz) und die Sieger (1. Platz) heißen Guido Westerwelle und seine Liberalen, alle drei kleineren Parteien mit „all time best“ Ergebnissen. Und Angela Merkel?

Die Kanzlerin hat hoch gepokert, ist ganz entgegen ihrer sonstigen Praxis volles Risiko gegangen und hat die Bank gesprengt. Sie hat gewonnen und gesiegt in einem, nicht aber ihre CDU,  und sie ist damit jetzt so stark wie noch nie. Wird man also jetzt eine andere, entschlossenere, reformfreudigere, risikobereitere Angela Merkel im Kanzleramt erleben? Wohl kaum

Angela Merkel war bei der Wahl 2005 nur um Haaresbreite dem politischen Selbstmord entgangen, verschuldet durch den Leipziger Parteitag der CDU 2004 und dessen marktradikale Wende und ihren ebensolchen Wahlkampf. Sie hatte damals, in jener Wahlnacht 2005, viel Fortüne, denn ein rettender Engel erschien ihr unverhofft in Gestalt eines außer Rand und Band geratenen Gerhard Schröders und führte sie in das Kanzleramt. Aber Fortüne gehört zum Erfolg in der Politik untrennbar dazu.