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Inflationssteuerung – ein Fehlschlag

New York:  Die Zentralbanker dieser Welt bilden einen verschworenen Kreis, der dazu neigt, dem Zeitgeist zu folgen. In den frühen 1980er Jahren geriet man ihn den Bann des Monetarismus, einer von Milton Friedman verfochtenen allzu simplen Wirtschaftstheorie. Nachdem der Monetarismus in Verruf geriet – auf Kosten jener Länder, die sich ihm verschrieben hatten – begann die Suche nach einem neuen Mantra.

Fündig wurde man bei der „Inflationssteuerung“, die besagt dass die Zinssätze immer dann anzuheben seien, wenn das Preiswachstum eine gewisse Obergrenze überschritten hat. Diese simple Methode beruht auf dürftigen wirtschaftstheoretischen oder empirischen Fundamenten. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass Zinserhöhungen ungeachtet der Inflationsursache das Mittel der Wahl wären. Es bleibt zu hoffen, dass in den meisten Ländern genügend Hausverstand herrscht, um diese Inflationssteuerung nicht zu übernehmen. Mein Mitgefühl gilt den bedauernswerten Bürgern jener Länder, die diese Inflationssteuerung in der einen oder anderen Form bereits offiziell übernommen haben. Dazu gehören Israel, Tschechien, Polen, Brasilien, Chile, Kolumbien, Südafrika, Thailand, Korea, Mexiko, Ungarn, Peru, die Philippinen, Slowakei, Indonesien, Rumänien, Neuseeland, Kanada, Großbritannien, Schweden, Australien, Island und Norwegen.

Heute steht die Inflationssteuerung auf dem Prüfstand – und sie wird den Test mit größter Wahrscheinlichkeit nicht bestehen. Die Entwicklungsländer sind momentan nicht aufgrund eines mangelhaften Makromanagements mit höherer Inflation konfrontiert, sondern weil die Öl- und Nahrungsmittelpreise in die Höhe schießen und sich dies im durchschnittlichen Budget der privaten Haushalte dieser Länder stärker niederschlägt als in reichen Ländern. In China beispielsweise nähert sich die Inflationsrate einem Wert von 8 % und mehr. In Vietnam ist sie noch höher und man rechnet für heuer mit einem Anstieg auf 18,2 %. In Indien beträgt die Inflationsrate 5,8 %. Im Gegensatz dazu weisen die USA eine Inflation von 3 % auf. Heißt das nun, dass die Entwicklungsländer ihre Zinssätze stärker anheben sollten als die USA?

Die Inflation in diesen Ländern ist größtenteils importiert. Eine Anhebung der Zinssätze hätte keine großen Auswirkungen auf die internationalen Preise für Getreide oder Treibstoff. Angesichts der Größe der US-Wirtschaft ist es vorstellbar, das ein Abschwung in den USA einen weit größeren Effekt auf die weltweiten Preise hätte, als ein Wirtschaftsabschwung in irgendeinem Entwicklungsland. Daraus geht hervor, dass, aus globaler Perspektive betrachtet, eigentlich die Zinssätze in den USA und nicht in den Entwicklungsländern angehoben werden sollten.