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Fünf Jahre Nichtreform des Finanzsektors

STANFORD – Fünf Jahre nachdem der Zusammenbruch von Lehman Brothers die größte globale Finanzkrise seit der Großen Depression ausgelöst hat, haben übergroße Bankensektoren die irische, isländische und zyprische Wirtschaft zerrüttet. Die Banken in Italien, Spanien und anderswo vergeben nicht genügend Kredite. Chinas Kreditgelage verwandelt sich gerade in einen Abschwung. Kurz gesagt: Das Finanzsystem der Welt bleibt gefährlich und dysfunktional.

Schlimmer noch, trotz jahrelanger Debatten gibt es keinen Konsens über die Probleme des Finanzsystems – geschweige denn darüber, wie man sie behebt. Und das scheint die politische Macht der Banken wiederzugeben.

Beispielsweise hat der britische Handelsminister Vince Cable der Aufsicht der Bank of England – die er „Kapital-Taliban“ nannte – vorgeworfen, die wirtschaftliche Erholung des Landes zu blockieren, indem sie den Banken übertriebene Belastungen auferlege. Cable scheint den Behauptungen der Bankenlobby Glauben zu schenken, dass Kreditvergabe und Wachstum leiden würden, wenn die Banken gezwungen wären, „ihren Eigenkapitalanteil zu erhöhen.“

Derartige Behauptungen ranghoher politischer Entscheidungsträger gibt es nicht nur in Großbritannien; dennoch sind sie falsch und irreführend. Das Eigenkapital der Banken ist keine Barreserve, die „beiseitegelegt“ werden muss; es ist nicht verliehenes Geld, mit dem Darlehen vergeben werden können.