Chris Van Es

Die vorgestellte Gemeinschaft des Euro

NEW HAVEN – Einem möglichen Zusammenbruch der Eurozone ist große Bedeutung beigemessen worden – wahrscheinlich zu große. Viele glauben, dass ein solcher Zusammenbruch – wenn, zum Beispiel, Griechenland den Euro abschaffen und zur Drachme zurückkehren würde – einem politischen Scheitern gleichkäme und letztlich die Stabilität Europas gefährden würde. In einer Rede vor dem Bundestag im vergangenen Oktober hat Bundeskanzlerin Angela Merkel deutliche Worte gefunden:

„Niemand sollte glauben, dass ein weiteres halbes Jahrhundert Frieden und Wohlstand in Europa selbstverständlich ist. Es ist es nicht. Deshalb sage ich: Scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Das darf nicht passieren. Wir haben eine historische Verpflichtung, das Einigungswerk Europas, das unsere Vorfahren nach Jahrhunderten des Hasses und des Blutvergießens vor über 50 Jahren auf den Weg gebracht haben, mit allen uns zur Verfügung stehenden verantwortbaren Mitteln zu verteidigen und zu schützen. Die Folgen, wenn das nicht gelänge, kann niemand von uns absehen.“

Europa hat seit dem Beginn der Renaissance Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts über 250 Kriege erlebt. Somit ist es nicht schwarzseherisch, laut und deutlich Besorgnis über den Erhalt des Gemeinschaftsgedankens zu bekunden, an dem sich Europa in den vergangenen fünfzig Jahren erfreuen konnte.

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