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Der Euro kommt

Es kommt nicht oft vor, dass eine sich in Umlauf befindliche Währung komplett gegen eine andere ausgetauscht wird. Wenn dies passiert, sind die Herausforderungen an wirtschaftliche Koordination und öffentliche Kooperation enorm. Sowohl unter dem Aspekt der Einmaligkeit als auch der Schwierigkeit ist die Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen Anfang 2002 einzigartig, denn nicht nur eine, sondern 12 Währungen werden gleichzeitig ausgetauscht und das in einem Wirtschaftsraum mit mehr als 300 Millionen Menschen. Wie kann der Erfolg dieses beispiellosen Projektes gewährleistet werden und was sind die Voraussetzungen dafür? Znächst erfordert die Einführung des Euro-Bargeldes schlichtweg, dass am 1. Januar 2002 eine ausreichende Menge davon vorhanden ist. Die anfängliche Lieferung umfasst etwa 14,5 Milliarden Banknoten im Wert von ungefähr 642 Milliarden Euro. Banken, Sicherheitsunternehmen, Einzelhändler und die Hersteller der Geld akzeptierenden Automaten müssen zu einem frühen Zeitpunkt in die Vorbereitungen einbezogen werden. Zudem muss der gesamte Ablauf von Informationskampagnen für die Öffentlichkeit und zur Vorbereitung von Kassierern und Personen in ähnlichen Berufen begleitet werden. Schließlich ist eine Reihe von rechtlichen und organisatorischen Maßnahmen erforderlich, um die erfolgreiche Bargeldumstellung und den reibungslosen Umlauf der Euro-Banknoten und -Münzen in der Zukunft zu gewährleisten. Damit alle Beteiligten genügend Vorbereitungszeit haben, wurden die logistischen Aspekte des in Umlaufbringens der Eurobanknoten- und Münzen frühzeitig ausgearbeitet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich auf die rechtzeitige Produktion der Geldscheine und die technische Organisation des Übergangs konzentriert. Intensive Gespräche in der zweiten Jahreshälfte 1999, an denen der ECOFIN-Rat (bestehend aus den Finanzministern der Europäischen Union), die nationalen Zentralbanken und die EZB beteiligt waren, führten zur Vereinbarung der folgenden Ziele: · die Mitgliedstaaten des Euro-Raumes sind bestrebt, die Abwicklung eines Großteils der Bargeschäfte innerhalb von zwei Wochen ab dem 1. Januar 2002 in Euro zu ermöglichen; · die alten Geldscheine und Münzen werden in einem Zeitraum von vier Wochen bis zu zwei Monaten eingezogen; auch nach Ablauf dieser Zeit müssen die Mitgliedstaaten den Austausch alter Banknoten und Münzen ermöglichen; · Finanzinstitute, Geldtransportunternehmen und Einzelhändler werden bereits einige Zeit vor dem 1. Januar 2002 mit Euro-Banknoten und -Münzen versorgt, damit während der ersten Tage des Jahres eine ausreichende Menge von Bargeld in Umlauf ist; · um den Übergang zu erleichtern und den Bürgern dabei zu helfen, sich mit den neuen Münzen vertraut zu machen, werden die Mitgliedstaaten der Öffentlichkeit auf Wunsch eine limitierte Anzahl von Münzen zugänglich machen – insbesondere benachteiligten Bevölkerungsgruppen - jedoch nicht früher als in der zweiten Dezemberhälfte 2001. Euro-Banknoten jedoch werden, wie nachfolgend erläutert, nicht vor dem 1. Januar 2002 zur Verfügung gestellt. Im Anschluss an die Einigung über diese Themen hat der EZB-Rat allgemeine Richtlinien zur Regelung der „Vorversorgung” der Finanzinstitutionen mit Euro-Banknoten und -Münzen aufgestellt. Diese Richtlinien beinhalten, wie und wann diesen Institutionen die vorgestreckte Währung berechnet werden soll, und wie die Abdeckung der Risiken bei den Transaktionen abläuft. Diese allgemeinen Richtlinien erfuhren anschließend - unter Berücksichtigung der örtlichen Bedingungen - auf nationaler Ebene eine Feinabstimmung. Da die Versorgung der Bankhäuser mit Euro-Banknoten und -Münzen im Voraus für einen reibungslosen Übergang von höchster Wichtigkeit ist, hat der EZB-Rat den 1. September 2001 als Starttermin dafür festgelegt. Die Kreditinstitute werden parallel dazu bestimmte Zielgruppen (wie z.B. den Einzelhandel und die Hersteller von Geld akzeptierenden Automaten) im Voraus mit Scheinen und Münzen versorgen. Im Rahmen der von der EZB vorgegebenen maximalen Lieferzeit von vier Monaten kann jede nationale Zentralbank jedoch so handeln, wie sie es für die Erfüllung des Versorgungsbedarfs im Voraus für angebracht hält. Dabei müssen sich die Mitgliedstaaten darüber im Klaren sein, dass dies nicht dazu führen darf, dass Euro-Banknoten und -Münzen vor dem 1. Januar 2002 in Umlauf kommen. Das bedeutet, dass die tatsächlichen Lieferzeiten in den verschiedenen Ländern an die Zielgruppen ebenso wie auch die der Banknoten und Münzen variieren kann. Finanzinstitutionen dürfen die breite Öffentlichkeit ab der zweiten Dezemberhälfte 2001 mit Euro-Münzen vorversorgen. Die Vorversorgung mit Geldscheinen ist jedoch, wie vorher bereits erwähnt, von der EZB ausgeschlossen worden. Dieser unterschiedliche Umgang mit Geldscheinen und Münzen hat innerhalb der letzten Monate für Aufsehen gesorgt. Um die Logik zu verstehen, die hinter der Entscheidung steckt, der Öffentlichkeit keine Geldscheine zugänglich zu machen, ist es wichtig zu verstehen, dass die praktische Umsetzung weder durchführbar und zudem nur von zweifelhaftem Vorteil wäre: Für die Bankhäuser wäre es beispielsweise nicht durchführbar, weil sie während der entscheidenden Phase bis Januar 2002 umfangreiche Kräfte darauf verwenden müssten, sich auf die potenzielle Nachfrage nach Euro-Banknoten von europäischen Bürgern vorzubereiten. Das würde die Kosten für den Bargeldübergang insbesondere für die Kreditinstitutionen erhöhen. Auch der Durchschnittsbürger hätte vermutlich keine praktischen Vorteile davon. Welchen Nutzen könnte man daraus ziehen, Geldscheine bei sich zu haben, die bis zum 1. Januar 2002 nicht als Zahlungsmittel akzeptiert werden? Meiner Ansicht nach würde die entstehende Einschränkung der Liquidität vieler Bürger Europas, das Verlustrisiko, die Zeit, die mit Schlange stehen bei der Bank verbracht wird, und die mögliche Verwirrung in der Praxis bedeuten, dass die Kosten wesentlich höher als der potenzielle Nutzen wären. Darüber hinaus wurden Schritte unternommen, um den spezifischen Bedenken zu begegnen, die von den Einzelhändlern vorgebracht wurden, hauptsächlich um die Umstellung in Geschäftsniederlassungen zu erleichtern. Die Maßnahmen beinhalten die Vorversorgung der breiten Öffentlichkeit mit Münzen durch die Banken in der zweiten Dezemberhälfte 2001, die Vorversorgung des Einzelhandels mit Banknoten und Münzen weit vor dem 1. Januar 2002, die Ausgabe von Euro-Banknoten, vorzugsweise von kleinem Wert, durch Geldautomaten ab dem ersten Tag des Jahres 2002 und die Umstellung der Mehrzahl der Geldautomaten innerhalb der ersten Woche im Jahr 2002. Um den reibungslosen Austausch der nationalen Banknoten und Münzen zu sicherzustellen, müssen die Europäer erkennen, dass die Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen, obwohl es bei der Umstellung zu einigen Unannehmlichkeiten kommen wird, von Vorteil ist. Der Austausch von 12 sich in Umlauf befindlichen Währungen gegen eine einheitliche Währung wird den zehn Jahre währenden Entwicklungsprozess der Entstehung einer Wirtschafts- und Währungsunion in Europa vervollständigen, der im Jahr 1992 mit dem Vertrag von Maastricht begonnen hatte. Ausnahmslos alle Bürger Europas werden an dieser abschließenden Herausforderung teilhaben: Der erfolgreichen Umstellung auf das Euro-Bargeld. Damit - und auch auch ahängig davon - wird das Versprechen von Maastricht eingelöst, einen vereinten und blühenden Kontinent Wirklichkeit werden zu lassen.