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Der Euro als Katalysator

PARIS – Im Jahr 2000, also kurz nach der Einführung des Euro, schrieb ich ein Buch, in dem ich dafür eintrat, dass die Euroländer auf die eine oder andere Art gezwungen werden sollten, Strukturreformen umzusetzen. Wo stehen wir nun zehn Jahre später?

Überraschenderweise war Deutschland das erste Land, das Reformen umsetzte. Dank eines günstigen Umfelds für exportorientierte Firmen und, vor allem, der Lohndisziplin, begann Deutschland signifikante Zahlungsbilanzüberschüsse auszuweisen, die heute in  dramatischem Ausmaß sichtbar sind. Damit wird das deutsche Wirtschaftswachstum sowie die niedrigeste Arbeitslosenrate in Europa aufrecht erhalten.

Ganz anders verläuft die Geschichte in anderen Mitgliedsländern der Eurozone. Die „PIIGS“-Länder (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) profitierten in enormem Ausmaß vom Euro, weil damit nicht nur währungsbedingte Handelsschranken beseitigt wurden, sondern auch die Zinsen abrupt auf ein Niveau fielen, das in Zeiten vor dem Euro undenkbar gewesen wäre.

Weil diese Länder überdies nicht mehr mit Beschränkungen im Hinblick auf die Leistungsbilanz konfrontiert waren, konnten sie ohne unmittelbaren Schaden für ihre Ökonomien über ihre Verhältnisse Geld ausgeben. Aufgrund dieses künstlichen Auftriebs für das Wirtschaftswachstums hatte man wenig Anreiz, unpopuläre Reformen im Einklang mit der Lissabon-Agenda der Europäischen Union voranzutreiben.