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Der ewige Putin

NEW YORK – Die einzige Stimme, die bei den russischen Präsidentschaftswahlen etwas zählt, ist jetzt abgegeben und Wladimir Putin hat für sich selbst gestimmt. Er wird im nächsten Jahr als Russlands Präsident wiederkommen.

Als diese Nachricht bekannt wurde, zusammen mit der weniger wichtigen, dass der amtierende Präsident, Dmitri Medwedew, zurücktritt, um Putins Premierminister zu werden, wollte ich laut schreien: Ich habe es ja gesagt! Die Naivität der Kommentatoren in Russland und im Ausland, die glaubten, Putin wäre niemals so dreist, dem russischen Wahlrecht derart Hohn zu sprechen und die Präsidentschaft wieder für sich in Anspruch zu nehmen, hat mich schon immer befremdet. Aber die Verachtung der Demokratie gehört zu Putins Grundkonstitution, seitdem er vor zwei Jahrzehnten aus Sankt Petersburg in den Kreml kam.

Jeder, der glaubte, dass sich die Dinge verändern würden, unterlag entweder Wahnvorstellungen oder war ignorant, was Russland angeht. Putin selbst kann es nicht lassen, genauso wie er es 2004 nicht lassen konnte. Damals war er sehr beliebt, er gab Russland sein Selbstbewusstsein als Weltmacht wieder, indem er die Kontrolle des Landes über einen großen Teil der Weltvorkommen an Öl und Erdgas zu einer Zeit der Knappheit geschickt einsetzte – er hätte die Wahlen mühelos gewonnen. Trotzdem manipulierte er die Wahlen im Stil des KGB, für den Menschen einfach zu unvorhersehbar sind, als dass man sie sich selbst überlassen könnte.

Wenn auch viele Analysten die Gewissheit von Putins Rückkehr 2012 nicht wahrhaben wollten, so hatte die russische Öffentlichkeit niemals den geringsten Zweifel. Die Kultur macht sich nie etwas vor, was die Politik angeht. Als Putin seinen Protegé Medwedew 2008 als Präsident einsetzte, machte ein Witz die Runde: „Wer ist dran mit zahlen?“ fragt Putin. „Ich,“ erwidert Medwedew, „denk‘ dran, ich habe dich gerade wieder als Präsidenten ersetzt.“