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Das Risiko des Realzinssatzes

PEKING – Seit der Finanzkrise nach 2007 sind die Zinssätze weltweit stark gefallen, manchmal fast bis auf Null, und es werden quantitative Erleichterungen durchgeführt. Die meisten Industrieländer müssen den Schuldendruck reduzieren und die empfindlichen Zahlungsströme aufrecht erhalten. Aber obwohl der “neue Normalzustand” in billigem Geld zu bestehen scheint, ist das Risiko groß, dass im Laufe der nächsten zehn Jahre die realen (inflationsbereinigten) Zinssätze ansteigen werden.

Die gesamten Anlagegüter der Zentralbanken belaufen sich weltweit auf 18 Billionen USD oder 19% des weltweiten BIP – zweimal so viel wie noch vor zehn Jahren. Dies sorgt für eine Menge Munition, um die Zinsen für den Kampf gegen die schwächste Erholung seit der Großen Depression niedrig zu halten. In den Vereinigten Staaten hat die Federal Reserve ihren Referenzzinssatz seit August 2007 zehnmal gesenkt, von 5,25% in einen Bereich zwischen Null und 0,25%, und den Leitzins seit Juni 2006 zwölfmal, um 550 Basispunkte auf 0,75%. Die Europäische Zentralbank hat ihre Hauptrefinanzierungsrate achtmal um insgesamt 325 Basispunkte auf 0,75% reduziert. Die Bank von Japan hat die Zinsen zweimal auf jetzt 0,1% gesenkt, und die Bank of England neunmal um insgesamt 525 Punkte auf ein Allzeittief von 0,5%.

Aber diese energischen Zinssenkungen führen zu einer Verzerrung der Kapitalverteilung. Die USA, die weltweit das größte Defizit und die höchsten Schulden haben, profitieren von der billigen Finanzierung am meisten. Im Zuge der anhaltenden Staatsschuldenkrise in Europa haben Anleger auf der Suche nach einem sicheren Hafen die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf ihren niedrigsten Stand seit 60 Jahren gedrückt, und der Zehnjahres-Swap-Spread – die Differenz zwischen fester und variabler Verzinsung – ist negativ, was für Investoren einen Realverlust bedeutet.

Die US-Regierung versucht nun, alte Schulden durch Neuverschuldung zurückzuzahlen. 2010 stieg die durchschnittliche jährliche Neuverschuldung (einschließlich Refinanzierung) auf über vier Billionen Dollar oder fast ein Viertel des BIP – vor der Krise betrug es noch durchschnittlich 8,7% des BIP. Wenn diese Zahl weiter steigt, werden die Investoren eine höhere Risikoprämie verlangen, was zu einer Zunahme der Kosten für die Schuldentilgung führen wird. Und sobald die US-Wirtschaft Anzeichen einer Erholung zeigt und die Ziele der Fed von 6,5% Arbeitslosigkeit und 2,5% jährlicher Inflation erreicht werden, werden die Behörden die quantitative Erleichterung beenden, was zu höheren Zinsen führen wird.