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Globale Krise durch Ausstieg aus der quantitativen Lockerung?

NEW HAVEN – Die Weltwirtschaft könnte sich im Frühstadium einer weiteren Krise befinden. Und im Auge des Sturms steht einmal mehr die US Federal Reserve.

Nun, da die Fed versucht, aus der sogenannten quantitativen Lockerung – ihrer beispiellosen Politik des massenhaften Ankaufs langfristiger Anleihen – auszusteigen, stecken viele bisher erfolgreiche Schwellenvolkswirtschaften plötzlich in der Klemme. Die Devisen- und Aktienmärkte in Indien und Indonesien sind im Absturz begriffen, und Kollateralschäden sind auch in Brasilien, Südafrika und der Türkei erkennbar.

Die Fed beharrt darauf, dass sie keine Schuld daran trüge – und legt damit dieselbe absurde Haltung an den Tag wie im Gefolge der großen Krise von 2008-2009, als sie behauptete, ihre übertrieben lockere Geldpolitik hätte nichts mit den Immobilien- und Vermögensblasen zu tun, die die Welt beinahe in den Abgrund gerissen hätten. Das ist Selbstbetrug in Reinkultur: Ohne die niedrigen Zinsen, die die quantitative Lockerung den entwickelten Ländern seit 2009 aufgezwungen hat, wäre nicht diese Flut von kurzfristigem, „heißem“ Geld auf der Suche nach höheren Renditen in die Schwellenländer geströmt.

Wie Mitte der 2000er Jahre ist die Verantwortung für die Fehlentwicklungen auch diesmal breit gestreut. Die Fed ist bei weitem nicht die Einzige, die eine unkonventionelle Lockerung der Geldpolitik verfolgt. Zudem ist allen oben angesprochenen Entwicklungsländern Eines gemein: Sie alle weisen große Leistungsbilanzdefizite auf.