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Was von 1968 übrig blieb

„Dany, Sie sind so erfolgreich, aber lassen Sie sich nicht von linksextremen Kräften manipulieren, die Sie dazu bringen würden, alles zu zerstören, das aus dem entstehen könnte, was Sie gerade schaffen.” Vierzig Jahre später haben diese am 22. März 1968 von Jean Baudrillard – damals Assistenzprofessor an der Universität Nanterre – gesprochenen Worte noch immer ihre Gültigkeit.

Möglicherweise enttäusche ich meine Anhänger und die von „der Revolte“ Faszinierten, aber ich bin nicht der Anführer einer Revolution, die angeblich im Jahr 1968 stattgefunden hat. Vergessen Sie das: „68“ ist vorbei – begraben unter Pflastersteinen, selbst wenn diese Pflastersteine Geschichte geschrieben und einen radikalen Wandel in unseren Gesellschaften herbeigeführt haben! 

Das erscheint auf den ersten Blick unverständlich. Aber wie ich schon in meinem Interview mit Jean-Paul Sartre im Le Nouvel Observateur klargestellt habe, war ich nur das Sprachrohr der Rebellion. Folglich symbolisierte „1968“ das Ende der Revolutionsmythen – zum Vorteil der Befreiungsbewegungen von den 1970er Jahren bis heute. Letztlich war die Welt der 1960er Jahre – die erste live im Radio und Fernsehen übertragene globale Bewegung – durch eine Vielzahl miteinander in Zusammenhang stehender Revolten definiert.

Der durch „68“ eingetretene Wandel betraf vor allem die traditionelle Kultur, den bornierten Moralismus und das Prinzip der hierarchischen Autoritäten. Er veränderte das soziale Leben, die Art zu sein, zu sprechen, zu lieben und so weiter. Aber trotz ihres Ausmaßes vermied diese Bewegung Gewalt, um dadurch eine neue Art von Rebellion zu schaffen. Studenten, Arbeiter und Familien – sie alle hatten ihre jeweiligen legitimen Forderungen und näherten sich dennoch im gemeinsamen Wunsch nach Emanzipation einander an.