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Der Elefant hat gewählt

Neu-Delhi: Am 16. Mai, einen Monat, nachdem die Ersten von ihnen Schlange standen, um bei den gigantischen indischen Parlamentswahlen ihre Stimme abzugeben, werden die Wähler des Landes das Ergebnis erfahren. Die über fünf Phasen gestaffelten Wahlen – mit fünf Abstimmungstagen innerhalb von vier Wochen statt eines einzigen „Wahltags“ – werden entscheiden, wer die weltgrößte Demokratie regieren wird. Sicher ist dabei nur eins: Keine Partei wird für sich allein eine Mehrheit bekommen. Indien steuert auf eine weitere Koalitionsregierung zu.

Dies muss nichts Schlechtes sein. Unter den beiden letzten indischen Regierungen, die jeweils die volle Legislaturperiode durchhielten, gab es ein deutliches Wirtschaftswachstum, obwohl sie sich aus 23 bzw. 20 Parteien zusammensetzten. Koalitionspolitik gibt den unzähligen unterschiedlichen Interessen, aus denen sich eine vielgestaltige und komplexe Gesellschaft zusammensetzt, eine Stimme und gewährleistet, dass das Land als Ganzes die letztlich verabschiedete Politik akzeptiert.

Allerdings bringt eine Koalitionsregierung häufig auch die Herrschaft des kleinsten gemeinsamen Nenners mit sich, da der Widerstand jedes einzelnen wichtigen Regierungsmitgliedes eine Politik verzögern oder sogar vereiteln kann. Im indischen Parlamentssystem bedeutet der Verlust der Mehrheit einer Koalition den Sturz der Regierung, und die Bündnispartner zusammenzuhalten, genießt manchmal höhere Priorität, als tatsächlich etwas zu erreichen.

Indiens nationale Wahlen bestehen eigentlich aus einer Ansammlung von 30 verschiedenen einzelstaatlichen Wahlen, die jeweils durch eigene lokale Gesichtspunkte, innerregionale politische Strömungen und unterschiedliche politische Pfründemuster beeinflusst werden. Die Partei, die dabei die meisten Sitze erringt, wird dann kurz nach dem 16. Mai versuchen, aus einer Vielzahl von Siegern aus den unterschiedlichen Staaten eine Koalition zu zimmern.