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Das risikoreiche Geschäft der EZB

BRÜSSEL – In Zeiten einer Finanzkrise kommt einer Zentralbank immer eine entscheidende Rolle zu. Aber die Rolle der Europäischen Zentralbank in der Eurozone ist heute noch „zentraler“ als die der amerikanischen Federal Reserve oder der Bank of England.  

Ein Hauptunterschied zwischen der Eurozone und den USA besteht darin, dass die Kreditvergabe zwischen zwei Banken in verschiedenen Mitgliedsstaaten der Eurozone noch immer als mit ganz anderen Risiken behaftet gilt, als die Kreditvergabe im „Inland“ (also zwischen zwei Banken im gleichen Land). Das ist in den USA nicht der Fall, weil man dort über ein integriertes Finanzsystem verfügt und die Unterstützung der Banken (Einlagensicherung oder ganze Rettungsaktionen) auf Bundesebene erfolgt.

Deshalb hat die Tatsache, dass Kalifornien dem Bankrott möglicherweise näher ist als so manche Mitglieder der Eurozone, überhaupt keinen Einfluss auf die Einstufung der Kreditwürdigkeit dort ansässiger Banken oder auf ihre Fähigkeit, sich am Interbankenmarkt Finanzmittel zu beschaffen. Im Gegensatz dazu hängt das Schicksal aller Banken in Europa von den Regierungen in den jeweiligen Ländern ab.

Während des Kreditbooms vor 2007 bauten sich enorme grenzüberschreitende Forderungen aus dem Interbankengeschäft auf, weil die Banken sich gegenseitig vertrauten. Im Jahr 2008 kam der Interbankenmarkt abrupt zum Erliegen, da sich das Vertrauen verflüchtigte. Dabei handelte es sich um ein allgemeines Phänomen, das nicht auf spezielle Länder beschränkt war, weil man damals noch immer davon ausging, dass alle Regierungen in der Eurozone in der Lage wären, ihre eigenen Banken zu retten.