Paul Lachine

Der lange Atem des Dollars

NEU DELHI – Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise und der hartnäckigen Defizite der Vereinigten Staaten wird die Rolle des Dollars als weltweite Leitwährung zunehmend in Frage gestellt. Die jüngsten Schritte zur Internationalisierung des chinesischen Renminbi haben Erwartungen hinsichtlich einer sich abzeichnenden Verschiebung im globalen Währungssystem geschürt. Zahlreiche bekannte Ökonomen, einschließlich der Mitglieder einer UNO-Kommission unter dem Vorsitz von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, empfehlen ein „globales Reservesystem“, das an die Stelle der Dollar-Hegemonie treten soll. Aber die lange Geschichte der globalen Leitwährungen legt nahe, dass die Tage des Dollars an der Spitze noch lange nicht vorbei sein könnten.

In der Antike wies Indien gegenüber dem römischen Reich einen riesigen Handelsüberschuss auf. Plinius schrieb im 1.Jahrhundert: „Es verging kein Jahr, in dem nicht 50 Millionen Sesterzen von Rom nach Indien flossen.” Mit diesem Handelsungleichgewicht war ein stetiger Abfluss von Gold- und Silbermünzen verbunden, der zu einer Knappheit dieser Metalle in Rom führte. In der Sprache von heute würde man sagen, dass Rom mit einer Geldverknappung konfrontiert war. 

Rom reagierte auf diese Entwicklung mit der Reduktion des Gold- und Silbergehalts der Münzen (die antike Form der Monetisierung), was im römischen Reich zu anhaltender Inflation führte. Aber die häufigen Funde römischer Münzen in Indien deuten darauf hin, dass römisches Münzgeld außerhalb des römischen Reiches noch lange nach der offensichtlichen Reduzierung des Gold- oder Silbergehalts angenommen wurde. 

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