Spaltet sich das Königreich?

Dreihundert Jahre nachdem sich das erste schottische Parlament 1707 aus freien Stücken selbst abwählte, hat die Schottische Nationalpartei im dezentralisierten schottischen Parlament eine Mehrheit gewonnen, die Tony Blairs großen Hinterlassenschaften anzurechnen ist. Kündigt eine von der SNP geführte Regierung das Auseinanderbrechen des Vereinigten Königreichs an? Allgemeiner noch, hat Nationalismus, dieses Produkt der Politik des neunzehnten Jahrhunderts, in Europa nach wie vor eine Funktion zu erfüllen?

Die erste Frage kann fast sicher mit nein beantwortet werden. Die Nationalisten erhielten lediglich 31,9% der abgegebenen Stimmen, 59,6% entfielen auf Parteien, die die Union unterstützen. Der sichere Beweis, dass die Verhältniswahl zu merkwürdigen Resultaten führen kann.

Damals im Jahr 1957 bestand das Motiv “die Grundlagen für einen immer engeren Zusammenschluss der europäischen Völker zu schaffen” darin, Kriege zwischen europäischen Nationen obsolet werden zu lassen und somit allen europäischen Nationen Stabilität im Inneren zu verschaffen. Diese Mission der Europäischen Union ist 50 Jahre lang nicht weiter auf die Probe gestellt worden, weil nationalistische Impulse zwischen den beiden großen Bündnissen des Kalten Krieges zerrieben wurden. Mit dem Wegfall dieser Gegebenheiten hat der Nationalismus sowohl in Gestalt Bismarckscher Staatenbildung als auch ethnischen Staatenzerfalls an frischem Wind gewonnen.

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