1

Die Eurozonen-Krise der Schwellenländer

WASHINGTON, DC – Die meisten der heutigen wirtschaftlichen Institutionen, vom Geld bis hin zum Bankwesen, haben sich über viele Jahre hinweg entwickelt – als unbeabsichtigte Konsequenzen der Entscheidungen von Millionen Individuen. Im Kontrast dazu ist die Eurozone offensichtlich eine absichtliche Schöpfung. Nach dem Kommunismus ist sie wahrscheinlich die weltweit zweitgrößte geplante wirtschaftliche Struktur.

Die Eurozone ist ein bemerkenswertes Experiment, ein echter Vorreiter globalen Fortschritts. Zum Ende des Jahres 2012 steckt sie in Schwierigkeiten, und zu ihrer Pflege und Stärkung müssen alle denkbaren Anstrengungen unternommen werden.

In der zweiten Hälfte von 2011 wurde offensichtlich, dass Schwellenländer, die die Finanzkrise nach 2008 relativ gut überstanden hatten, im Zuge der Vertiefung der Krise der Eurozone in Schieflage gerieten. In Brasilien, Indien, China und anderen Ländern brach das Wachstum rapide ein.

Eine große Krise wurde dadurch verhindert, dass Zentralbanken als Kreditgeber der letzten Instanz auftraten. Im Dezember 2011 und Februar 2012 kündigte die Europäische Zentralbank langfristige Refinanzierungsgeschäfte an, innerhalb derer die europäischen Banken in zwei Tranchen Kredite in Höhe von etwa einer Billion Euro erhielten. Dann, im Juli, kam die berühmte Zusicherung des EZB-Chefs Mario Draghi, zur Rettung des Euro zu tun “was auch immer erforderlich ist”. Auch die Federal Reserve der Vereinigten Staaten gab Liquiditätsspritzen, ebenso wie die Zentralbanken anderer Industriestaaten.