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Verzögerungen in der IT-unterstützten Gesundheitsfürsorge

WASHINGTON, DC – Weil die Informationstechnologien (IT) unser tägliches Leben so schnell verwandelt haben, vergessen wir leicht, wie sehr sich die Dinge in gar nicht so langer Zeit verändert haben. Heute kaufen Millionen von Menschen weltweit online ein, laden ganze Filme, Bücher und andere Medien auf drahtlose Geräte herunter, erledigen jederzeit ihre Bankgeschäfte an Automaten und buchen elektronisch von zu Hause aus ganze Reisen mitsamt dem Flughafen-Check-In.

Aber es gibt einen Bereich unseres Lebens, wo sich die Anwendung der Informationstechnologie deutlich verzögert hat: die Gesundheitsfürsorge.

Hier sind Teile der Welt weiter fortgeschritten als andere. Forscher des Commonwealth Fund berichteten kürzlich, dass einige reiche Länder wie Großbritannien, Australien und Neuseeland große Fortschritte dabei gemacht haben, die Verwendung elektronischer Krankenakten unter erstversorgenden Ärzten zu fördern. Tatsächlich ist dies in diesen Ländern nunmehr Standard. Aber andere reiche Länder wie die Vereinigten Staaten oder Kanada ziehen nicht mit. Die Verwendung elektronischer Krankenakten in Amerika, der Heimat von Apple und Google, beträgt nur 69%.

Insbesondere in den USA ist die Lage angesichts dessen eklatant, dass die Gesundheitsfürsorge einen größeren Anteil am BIP innehat als die Produktion, der Einzelhandel, das Finanzwesen oder die Versicherungen. Auch sind die meisten IT-Gesundheitssysteme in Amerika heute statt für effiziente Behandlung in erster Linie für effiziente Abrechnung ausgelegt und stellen damit die Geschäftsinteressen von Krankenhäusern und Kliniken vor die Bedürfnisse von Ärzten und Patienten. Deshalb können viele Amerikaner heute zwar leicht online gehen und die Gesundheit ihres Bankkontos überprüfen, aber nicht die Ergebnisse ihrer letzten Labortests.