Die Gefahr einer verfrühten Euroisierung

Dreizehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer sind die postkommunistischen Länder Mittel- und Osteuropas bereit, der EU beizutreten und Europa soll endlich vereint werden. Der Preis der Reform war hoch. Aber all die harte Arbeit, die diese Staaten geleistet haben, um sich auf die Mitgliedschaft in der EU vorzubereiten, kann vergeblich gewesen sein, wenn sie den Euro zu früh einführen.

Es wird landläufig angenommen, sogar von den argwöhnischen Euro-Beobachtern, dass der Beitritt zur Eurozone die erfolgreiche Wandlung dieser Länder in moderne Marktwirtschaften bestärken wird. Natürlich stehen die langfristigen politischen und wirtschaftlichen Nutzen einer gemeinsamen Währung außer Zweifel. Aber der richtige Zeitpunkt ist wichtig. Die Befürworter einer schnellen Euroisierung argumentieren, ein schneller Beitritt fördere und festige steuerliche, finanzielle und arbeitsmarkttechnische Reformen, bei gleichzeitiger Ausweitung des Handels und der Erhöhung der Gewinne.

Aber es gibt kaum Anzeichen dafür, dass eine Einführung des Euro vor einer entsprechenden institutionellen Reformierung erfolgreich vollzogen werden kann. Mehr noch, die herangezogenen Vergleiche stammen aus unterschiedlichen Schwellenländern und sind daher von fragwürdiger Gültigkeit in Bezug auf postkommunistische Länder. Vielmehr waren bisher fiskale Konsolidierung, eine glaubwürdige und unabhängige Geldpolitik, vertrauenswürdige Finanzinstitutionen und flexible Arbeitsmärkte Voraussetzung für die Einführung der gemeinsamen Währung.

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