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Die graue Gefahr

In seltener Einigkeit mit den Demokraten hat die Bush-Administration eine substanzielle Erhöhung der Renten vorgeschlagen. Diese Reformen könnten den amerikanischen Steuerzahlern noch teurer zu stehen kommen als die massiven Steuersenkungen von Präsident Bush im Jahr 2001. Darüber hinaus bedeuten diese Reformen eine enorme Umverteilung von den jungen zu den älteren Amerikanern. Während allerdings viele Beobachter auf die Risiken im Zusammenhang mit den Steuersenkungen und die daraus resultierenden Lücken im Haushalt hingewiesen haben, scheinen nur wenige über die Erhöhung des Haushaltsdefizits durch dieses Geschenk an die Alten beunruhigt zu sein.

Was in Amerika geschieht ist nur ein weiterer Beweis für die ungeheure Macht, die ältere Menschen in unseren Gesellschaften ausüben. Ähnliche Schritte werden in ganz Europa unternommen, wo die Großzügigkeit der staatlichen Rentensysteme zwar nicht mehr aufrecht zu erhalten, aber eine Reform des Systems politisch beinahe undurchführbar ist.

Die politische Macht der Rentner resultiert aus einer Vielzahl von Faktoren. Zunächst ist da die Tatsache, dass Menschen in Industrieländern länger leben und weniger Kinder haben. Dieses Faktum in Kombination mit den großzügigen Rentenbestimmungen, die in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts konzipiert wurden, als die Generation der Babyboomer gerade in den Arbeitsmarkt eintrat und der Wohlfahrtsstaat keine finanziellen Beschränkungen zu kennen schien, schuf Ansprüche, an deren Reformierung sich heute niemand heranwagt.

Der zweite, die Rentnerlobby begünstigende Faktor ist, dass die Alten im Schnitt reicher sind als die Jungen, weil sie eben schon länger auf der Welt sind und mehr Zeit hatten, Wohlstand anzuhäufen. Im Gegensatz zu den Jungen, die für eine Rentenreform eintreten, fällt es den Älteren aufgrund ihres besseren finanziellen Hintergrundes leichter politische Parteien und Politiker zu unterstützen, die ihre Interessen vertreten.