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Die Gefahr schwacher Staaten

NEW YORK: Verhängnisvolle Ereignisse in Israel und Jugoslawien haben den fortwährenden Tumult in Nigeria und Indonesien in den Schatten gestellt. Ethnische und religiöse Konflikte haben in beiden “Megastaaten” bereits zahlreiche Menschenleben gefordert. Wir dürfen nicht die umwälzenden Konsequenzen aus den Augen verlieren, die daraus resultieren könnten, wenn solch eine Gewalt nicht im Zaum gehalten wird. Das Problem besteht darin, dass beide Länder – gefesselt durch die Hinterlassenschaft der Tyrannei und Degradierung – Gefahr laufen, ihre Fähigkeit zur Einschränkung der Gewalt zu verlieren.

Die Geschichte des Kampfes um Rechte von der Magna Charta bis zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte war hauptsächlich eine Geschichte von der Begrenzung der staatlichen Autorität. Aufgrund dessen könnte es ungewöhnlich erscheinen, dass man sich – wenn Rechte geschützt werden sollen – für die heutige Notwendigkeit eines Neuverstaerkung der zentralisierten Regierungsmacht in verschiedenen Teilen der Welt ausspricht. Liberale Werte werden nichtsdestotrotz ebenso stark durch die Unfähigkeit des Staates wie auch durch despotische Machtausübung bedroht. Überall auf der Welt, einschließlich in zwei der größten Länder, zeichnen sich die Auswirkungen dieser Wahrheit immer bedrohlicher ab.

Falls Nigeria sich aufspalten sollte, wären die Konsequenzen für das 114 Millionen umfassende nigerianische Volk, für den Rest des geplagten afrikanischen Kontinents und für das internationale System katastrophal. Und obwohl die Regierung von Präsident Olusegun Obasanjo die demokratischste und am wenigsten korrupteste ist, die Nigeria seit seiner Unabhängigkeit besitzt (einschließlich eines Zeitraumes in den späten 1970ern, als General Obasanjo der militärische Herrscher des Landes war, bis er freiwillig zurücktrat, um die Wahl eines zivilen Präsidenten zu ermöglichen), ist das Land gefährlich schwach geblieben.

Die Verwaltung von Präsident Obasanjo ist daran gescheitert, islamische Fundamentalisten daran zu hindern, das Gesetz der Sharia mehreren Staaten des Nordens aufzuzwingen und damit eine Welle von Gewalt auszulösen, die bisher Tausende von Menschenleben gekostet hat. Auch wurde in dem an Öl reichen Niger-Delta keinerlei Frieden geschaffen, wo das verarmte Volk sich über die Ausbeutung der Bodenschätze seines Territoriums zugunsten der Bereicherung einer korrupten Elite empört. Erst kürzlich hat die Gewalt zwischen Hausas und Yorubas in Lagos Hunderte von Menschenleben gefordert. Das multi-ethnische, mehrsprachige, multi-religiöse Nigeria befindet sich gegenwärtig in einer größeren Gefahr der Fragmentierung, als jemals zuvor seit dem vor einer Generation stattfindenden Völkermord in Biafra.