Die kulturellen Widersprüche des Multikulturalismus

STOCKHOLM: Der staatlich geförderte Multikulturalismus ist gescheitert. Diese Erklärung des britischen Premierministers David Cameron, die sich fast unmittelbar an entsprechende Absagen an den Multikulturalismus der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy anschloss, legt nahe, dass innerhalb der europäischen Gesellschaft derzeit eine neue Seite aufgeschlagen wird. Aber stimmt das?

Camerons Attacke auf den Multikulturalismus ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Offen gesagt“, hieß es dort, „brauchen wir deutlich weniger von der passiven Toleranz der letzten Jahre und deutlich mehr aktiven, robusten Liberalismus.“ Das war keine Kritik des ethnischen und kulturellen Pluralismus, sondern der Idee eines „Staatsmultikulturalismus“, der an verschiedene gesellschaftliche Gruppen unterschiedliche moralischen Standards anlegt. In Zukunft, so Cameron, würden etwa muslimische Gruppen, die nicht für die Rechte der Frauen einträten, die freie Meinungsäußerung verteidigten oder sich für Integration aussprächen, alle staatlichen Fördermittel verlieren.

Aber nicht nur der offizielle Multikulturalismus ist in Europa gescheitert, sondern auch der von großen Teilen der europäischen Zivilgesellschaft unterstützte Multikulturalismus. Ein typisches Beispiel ist Schweden, eines der liberalsten Länder der Welt, zugleich jedoch eines, das in jüngster Zeit eine Welle des Extremismus erlebt hat.

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