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Die Krise der Linken

Nach einer Reihe von Wahlniederlagen befindet sich die Linke weltweit in der Krise. Um sie zu überwinden empfehlen einige Linke die Rückkehr zu den historischen Wurzeln ihrer Parteien. Andere sprechen sich dafür aus, die alten Mythen über Bord zu werfen und einen kühnen Schritt vorwärts zu wagen.

Diese Debatte wird nicht nur in Frankreich nach der Niederlage der Sozialisten bei den Wahlen im April letzten Jahres geführt. Sie prägt auch die politische Situation in den USA nach der Wahlniederlage der Demokraten bei den Kongresswahlen im letzten November. Beide Parteien stehen vor dem gleichen Dilemma und das ist auch genau mein Punkt: Die Linke befindet sich in einer tiefen, fundamentalen Krise.

In der Vergangenheit hatte die Linke ihre eigene Ideologie und ihre eigene Wirtschaftstheorie. Der grundlegende wirtschaftliche Mechanismus, der den Lauf der Welt bestimmte, war der Verteilungskampf zwischen Arbeitern und Kapitalisten. Mit dieser Weltanschauung - ,,wir gegen die anderen" - war es auch nicht schwer breite Wählerschichten, von den völlig Entrechteten bis hinauf zur Mittelklasse zu gewinnen. Jedenfalls waren es mehr als nötig, um der Linken bequeme Mehrheiten bei Wahlen zu sichern.

Aber die Welt hat sich verändert und die linke Sicht der Dinge ist einfach nicht mehr anwendbar. Durch den härteren Wettbewerb innerhalb und zwischen den Ländern, sind die zu verteilenden Profite kleiner geworden. Grenzen sind für Finanzkapital leichter zu überwinden und das physische Kapital kann beinahe ebenso schnell transferiert werden. Die Grenzen der Umverteilung durch den Markt sind heute viel enger: Der Versuch, die Profite wieder steigen zu lassen, treibt viele Firmen entweder in Schwellenländer oder andernfalls in den Ruin.